OPRAF
Abkürzung für Office of Passenger Rail Franchising
OPRAF: Britanniens Eisenbahnfranchise-Regulierungsbehörde, 1993, 2001
Das Office of Passenger Rail Franchising war eine britische Behörde, die 1993 gegründet wurde, um die Privatisierung des Personenverkehrs der British Rail zu verwalten. Sie fungierte als Franchising-Behörde, verga Verträge mit einer Laufzeit von 25 Jahren an private Eisenbahnunternehmen und legte die Bedingungen fest, unter denen diese regionale und Fernverkehrsstrecken betreiben würden. OPRAF wurde 2001 aufgelöst, als ihre Funktionen auf die neu gegründete Strategic Rail Authority übertragen wurden.
OPRAFs Kernaufgabe war es, Franchises in einem Wettbewerbsverfahren zu vergeben und dann die Einhaltung zu überwachen. Sie legte für jede Franchisevereinbarung Fahrgastservice-Standards fest, Fahrpreiszöglinge auf bestimmten Strecken, Zugangsregelungen an Bahnhöfen und Standards für Zugrollmaterial. Die Behörde verwaltete auch die Subventionszahlungen der Regierung an die Betreiber, da viele regionale Franchises nicht wirtschaftlich eigenständig waren. Jedes Franchise deckte ein definiertes geografisches Gebiet und eine Servicegruppe ab: South Western, Greater Manchester, Merseyside und ähnliche.
Franchisemechanismus und die Subventionsfalle
OPRAF verga Franchises durch geschlossene Auktionen. Betreiber reichten Gebote ein, in denen sie die erforderliche Subvention, die Serviceausstattung und ihre Investitionsverpflichtungen angaben. Das System offenbarte jedoch schnell strukturelle Probleme. Viele Franchisepächter boten in den 1990er Jahren überoptimistisch, was zu finanziellen Schwierigkeiten führte, wenn die Einnahmen hinter den Prognosen zurückblieben. Das machte OPRAFs Kontrollrolle konfliktreich: Sie musste Betreiber zur Erfüllung von Service-Standards verpflichten, während deren Finanzen zusammenbrachen.
Die Behörde hatte keine unmittelbare operative Kontrolle. Sie konnte Vertragsstrafen verhängen, Franchises entziehen oder Betreiber zur Einhaltung von Servicekennzahlen verpflichten, war aber auf eine wirtschaftliche Tragfähigkeit angewiesen, die sich oft nicht einstellte. Streitigkeiten über Subventionshöhen, Zustand des Zugrollmaterials und Fahrfrequenzen wurden zum Regelfall. Das Franchisemodell selbst mit einer Anfangslaufzeit von 25 Jahren erwies sich als zu unflexibel, wenn sich Fahrgastnachfrage oder Kosten verschoben.
OPRAFs Kürzel wurde zum Synonym für das Privatisierungsexperiment selbst, und ihre Ablösung spiegelte die weit verbreitete Unzufriedenheit mit den Privatisierungsergebnissen wider. Die Strategic Rail Authority erbte ihre Befugnisse, allerdings mit einem anderen Auftrag: größeres Augenmerk auf langfristige Investitionsplanung und Netzintegration statt reiner Wettbewerbsvergabe.