Zugbegegnung
Englisch: meet
Zusammentreffen zweier Züge in Gegenrichtung auf eingleisiger Strecke, wobei einer auf ein Ausweichgleis geleitet wird, um dem anderen die Durchfahrt zu ermöglichen.
Begegnung: zwei Züge, ein Gleis, einer wartet im Ausweichgleis
Eine Begegnung tritt auf, wenn zwei Züge in entgegengesetzten Richtungen auf einer eingleisigen Bahnstrecke aufeinander zukommen. Da sie nicht aneinander vorbeifahren können, wird ein Zug in ein Ausweichgleis (ein kurzes Abzweigungsgleis) geleitet, während der andere auf der Hauptstrecke weiterfährt. Der Zug im Ausweichgleis wartet, bis der entgegenkommende Zug vollständig vorbeigefahren ist, bevor er seine Fahrt fortsetzt. Dies ist eine grundlegende betriebliche Notwendigkeit auf Eisenbahnen, wo ein zweigleisiger Ausbau unwirtschaftlich oder unpraktisch ist.
Begegnungen werden im Voraus durch den Fahrdienstleiter auf Grundlage von Fahrplänen, Zuggeschwindigkeit, Ausweichgleislänge und Streckenbelastung geplant. Der Fahrdienstleiter erteilt den Zugführungen vor der Abfahrt Begegnungsanweisungen und gibt an, welcher Zug das Ausweichgleis nutzt und wo ungefähr die Begegnung stattfindet. Moderne Eisenbahnen verwenden GPS, Funk und digitale Signaltechnik, um Begegnungen präzise zu koordinieren; ältere Betriebsverfahren stützten sich auf Fahrplanintervalle und optische Verständigung zwischen Zugpersonal.
Ausweichgleislänge und Zugzusammensetzung
Das Ausweichgleis muss lang genug sein, um den kompletten Zug aufzunehmen, der es nutzen wird. Ein Güterzug kann sich über 1,5 bis 2 Kilometer erstrecken; ein Personenzug typischerweise 200 bis 400 Meter. Ist ein Zug länger als das verfügbare Ausweichgleis, muss der Begegnungspunkt weiter die Strecke hinunter verschoben werden, oder der längere Zug fährt durch, während der kürzere ausweicht. Fahrdienstleiter müssen daher die Zusammensetzung beider Züge kennen, um Begegnungen sicher zu planen.
Wenn ein Zug während einer Begegnung ins Ausweichgleis einfährt, muss er frühzeitig abbremsen, um vor der Ausfahrtweiche des Hauptgleises zum Stehen zu kommen, bevor der entgegenkommende Zug eintrifft. Die Weiche wird dann so gestellt, dass der Hauptgleis-Zug passieren kann. Nach dem Vorbeifahren des Hauptgleis-Zuges wird die Weiche zurückgestellt und der wartende Zug beschleunigt wieder aufs Hauptgleis. Schlechte Ausweichgleisgestaltung oder falsch berechnete Zeiten können dazu führen, dass Züge mehrere Stunden auf die nächste verfügbare Begegnungsstelle warten müssen.
Der Begriff 'Begegnung' wird als Substantiv und Verb verwendet: Zugführer sprechen davon, eine Begegnung anzunehmen oder von einem entgegenkommenden Zug begegnet zu werden. Auf stark belasteten eingleisigen Strecken finden Begegnungen alle paar Stunden statt; auf schwach belasteten Nebenstrecken können sie so selten sein, dass Fahrdienstleiter Begegnungspunkte für jeden Tag einzeln berechnen müssen. Eingleisige Bahnen mit häufigen Begegnungen können tatsächlich weniger Gesamtmenge befördern als zweigleisige Strecken, weshalb Hauptrouten zweigleisig ausgebaut werden.