Doppelspannung
Englisch: dual-voltage
Fähigkeit eines Fahrzeugs, mit zwei verschiedenen Spannungen zu fahren, je nachdem welche Spannung die Eisenbahnstrecke über Stromschiene oder Oberleitung bereitstellt.
Mehrsystem-Züge: Fahrzeuge, die an zwei Stromversorgungssystemen arbeiten
Ein Mehrsystem-Zug kann elektrische Energie aus zwei verschiedenen Versorgungssystemen beziehen, ohne Umrüstungen oder Umschaltgeräte an Bord zu benötigen. Diese Flexibilität ergibt sich, weil viele Bahnnetze mit unterschiedlichen Spannungen arbeiten: einige Strecken nutzen 750 V Gleichstrom über Stromschiene, andere 1500 V Gleichstrom Oberleitung und wieder andere 25 kV Wechselstrom von der Fahrleitung. Ein Mehrsystem-Fahrzeug nimmt die jeweils anstehende Spannung auf und arbeitet normal, wodurch es wirklich austauschbar über diese verschiedenen Infrastrukturarten ist.
Die technische Lösung besteht aus einem Transformator- und Gleichrichterschaltkreis, der eingehende Wechselspannung zu Gleichspannung wandelt, oder einer Choppersteuerung, die entweder AC- oder DC-Eingänge regeln kann. Ein Zug zum Beispiel, der sowohl 25 kV AC als auch 1500 V DC akzeptiert, benötigt Schaltgeräte, die den Versorgungstyp erkennen und ihn zur geeigneten Umwandlungsstufe leiten. Das bordseitige Stromsystem speist dann die Fahrmotoren mit einer einheitlichen Betriebsspannung, unabhängig von der Quelle. Das erhöht Gewicht und Komplexität der Stromausrüstung, spart aber den Bedarf an getrennten Fahrzeugflotten ein.
Wo Mehrsystem-Technik zählt
Mehrsystem-Ausrüstung ist unverzichtbar bei Vorort- und Regionalnetzen, wo Strecken über unterschiedliche Infrastrukturstandards zusammenlaufen oder abzweigen. Die neuere Fahrzeugflotte der London Underground muss beispielsweise sowohl die 630 V Gleichstrom älterer Äste als auch die 750 V Gleichstrom neuerer Äste bewältigen. Grenzüberschreitende Verbindungen in Europa erfordern häufig Zwei- oder sogar Dreisystem-Fähigkeit, da Nachbarländer andere Standards nutzen. Straßenbahnetze in Innenstädten, die sich den Fahrweg mit älteren Straßenbahnlinien teilen, setzen ebenfalls Mehrsystem-Fahrzeuge ein, um getrennte Flotten zu vermeiden.
Nachteilig sind höhere Anschaffungskosten pro Fahrzeug, schwerere Stromausrüstungen und komplexere Instandhaltungsverfahren. Ein Ausfall im Spannungserkennungs- oder Umschaltsystem kann den Zug völlig lahmlegen. Deshalb ist Mehrsystem-Ausrüstung nur Standard, wo die Infrastruktur es wirklich verlangt, nicht als Wunschausstattung. Wo ein Netz homogen ist, ist eine einsystem-Ausführung günstiger und zuverlässiger.