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Industriekeramik

Papierton

Englisch: paper clay

Ton, der mit zerkleinertem Papier oder anderen Fasern vermischt ist und wegen seiner Festigkeit und des geringen Gewichts bei der Herstellung großer Keramikarbeiten geschätzt wird.

Papierton: Faserkeramik-Rohstoff, der beim Brand spurlos abbrennt

Papierton ist ein verarbeitbares Keramik-Gemisch, das Kugelton, Steingut- oder Steinzeugton mit zerkleinertem Cellulose-Faserstoff kombiniert, üblicherweise aus Altpapier oder Baumwoll-Linter. Die Fasern machen etwa 10 bis 30 Prozent des trockenen Volumens aus. Nach dem Formen und Brand brennt die organische Masse zwischen 300 und 600 Grad Celsius vollständig ab und hinterlässt eine gebrannte Keramik mit einem Netzwerk winziger Poren, wo früher die Fasern waren.

Der wichtigste Vorteil liegt in der Struktur: Der Rohling wird dramatisch weniger anfällig für Risse und Verformungen. Ein großes handaufgebautes Gefäß oder Objekt aus Ton, das beim Trocknen in konventionellem Ton zerspringen würde, lässt sich in Papierton ohne lange Trocknungsphasen und sorgfältige Überwachung herstellen. Die gebrannte Keramik selbst ist auch leichter und poröser als ein gleichwertiger massiver Tonkörper und platzt oder zerbricht beim Brennen weniger leicht, wenn Feuchtigkeit eingeschlossen wird.

Papierton verarbeitet sich wie Standard-Ton bei der Scheibenarbeit, beim freien Aufbau und bei Plattenarbeit, allerdings macht der Fasergehalt den Ton etwas weniger plastisch und körniger in der Hand. Teile zusammenzufügen funktioniert leichter, weil die Fasern sich mechanisch verzahnen, wenn lederharte Abschnitte angeritzt und mit Schlicker zusammengefügt werden. Der Nachteil ist die Porenstruktur der gebrannten Arbeit, die für funktionales Geschirr ungeeignet sein kann, das Flüssigkeiten halten muss, ohne abgedichtet zu werden, es sei denn, das Stück wird innen ausreichend glasiert.

Herstellung und Kosten

Papierton wird üblicherweise von Töpfern und Studios vor Ort hergestellt, statt als handelsüblicher Tonkörper gekauft zu werden. Ein Töpfer mischt eine Standard-Tonbasis mit mechanisch zerkleinertem Papier, häufig aus Büroabfällen oder Zeitungspapier, oder mit kommerziellen Cellulose-Fasern aus kleinen Packungen. Das Vermischen ist arbeitsintensiv und erfordert Ausrüstung wie einen Tonmischer oder eine Strangpresse für gleichmäßige Faserverteilung. Einige Hersteller bieten fertig gemischten Papierton an, aber das Material ist teurer und hat eine begrenzte Lagerfähigkeit im feuchten Zustand, weil die Fasern anfangen können zu zerfallen.

Papierton wurde in den 1990er Jahren in der Künstlerkeramik verbreitet und ist inzwischen Standard bei Objekten und Großformen. In der industriellen Herstellung von Keramikgefäßen und Bauelementen kommt es gezielt zum Einsatz, besonders bei großen Fliesen, Fassadenpaneelen und Zierteilen, wo Gewichtsersparnis und Rissbeständigkeit den zusätzlichen Aufwand rechtfertigen. In der Tafelware und beim hochgebrannten Reduktionssteinzeug bleibt es weniger verbreitet, wo traditionelle Tonkörper und Brände tief verwurzelt sind.

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