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Glas und Keramik

Prunt

Englisch: prunt

Ein kleines Glasstueck, das auf den Hauptkoerper eines Glasprodukts aufgeschmolzen und anschliessend zu Dekorationszwecken geformt oder gepresst wird

Prunt: dekorativer Glastropfen, der aufgeschmolzen und sofort geformt wird

Ein Prunt ist eine kleine Masse flüssigen Glases, die direkt auf die Oberfläche eines heißen Glaskörpers aufgetragen und sofort mit einem Handwerkzeug geformt oder geprägt wird, während das Material noch plastisch ist. Der Glaser verwendet häufig eine Puntie oder einen speziell gestalteten Prägestempel, um den Prunt vor dem Erkalten in ein bestimmtes Profil zu bringen und dauerhaft mit dem Körper zu verschmelzen. Das Ergebnis ist ein erhabenes Dekorationselement, das Licht einfängt und glatten Flächen Struktur verleiht.

Prunts werden seit mittelalterlichen Zeiten in der Glaserzeugung verwendet, besonders auf Trinkgefäßen und Apothekergläsern. Ein typischer Prunt hat einen Durchmesser von etwa 10 bis 20 Millimetern und ragt 5 bis 10 Millimeter aus der Oberfläche hervor. Häufige Formen sind Rippen, Kugeln, Rosetten und Löwenköpfe. Die Technik erfordert Timing und Geschick: Der Prunt muss heiß genug sein, um vollständig zu verschmelzen, aber kühl genug, um unter dem Werkzeug seine geprägte Form zu halten, ohne durchzuhängen oder sich zu verformen.

Die schwache Stelle jedes Prunts ist die Verbindung zwischen ihm und dem Hauptkörper. Wenn Basisglas und Pruntglas deutlich unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten haben, konzentriert sich bei der Abkühlung Spannung an dieser Stelle, was zu Rissen oder zum kompletten Ablösen führt. Mangelnde Verschmelzung, bei der der Prunt nie vollständig in den Körper schmilzt, ist ein weiterer häufiger Fehler. Blasgefäße sind besonders anfällig für Prunteverlust, da die dünnen Wände schnell erkalten und die Pruntmasse ungleichmäßig Wärme speichern kann.

Prunts erscheinen am häufigsten auf deutschen Waldglasgeräten des 15. und 16. Jahrhunderts und auf englischen Weingläsern vom 17. Jahrhundert an. Der Name stammt wahrscheinlich vom deutschen Wort Prunge oder einem ähnlichen Wort, doch seine genaue Herkunft ist umstritten. In moderner Studio- und Produktionsglasarbeit bleiben Prunts eine arbeitsintensive Dekoration, weshalb sie heute außerhalb von Spezialbetrieben und Nacharbeitern kaum noch vorkommen.

Verwandte Dekortechniken sind aufgeschmolzene Fäden (dünne Glasspitzen, die um den Körper gewickelt werden) und Rigaree (Eindrucke oder bearbeitete Spitzen). Im Gegensatz zu diesen Verfahren erzeugen Prunts eine dreidimensionale Verdickung, die in einer einzigen Arbeitsphase geformt werden muss und sich daher von nachträglichen Oberflächenbehandlungen nach dem Entspannen unterscheidet.

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