Glasmacherpfeife
Englisch: blowpipe
Ein langer, schmaler Metallstab, der in den Händen gedreht wird und auf den das Glas geblasen wird.
Glasmacherpfeife: das atemsgesteuerte Formwerkzeug des Glasmachers
Eine Glasmacherpfeife ist ein hohles Rohr aus Eisen oder Stahl, typischerweise 1,2 bis 1,8 m lang und 1,3 bis 1,9 cm im Durchmesser, zum Aufnehmen von Schmelzglas aus dem Ofen und zum Formen durch Anblasen. Der Glasmacher führt ein Ende in den Mund (oder bedient in moderner Praxis ein fußgesteuertes Ventil oder einen Kompressor) und nutzt Lungendruck oder mechanischen Druck, um eine Glaseblase am Arbeitende aufzublasen. Das Rohr muss lang genug sein, um das Gesicht des Glasmachers von der Strahlungshitze fernzuhalten, die am Aufnahmepunkt regelmäßig über 1100 Grad Celsius erreicht.
Das Arbeitende der Glasmacherpfeife wird routinemäßig in einem Wärmeofen (Gloryhole genannt) wieder aufgeheizt, um das Glas formbar zu halten; ohne dies wird die Blase zu zähflüssig zum Formen. Während der Glasmacher bläst, dreht er das Rohr gleichmäßig mit beiden Händen, um das Glas gleichmäßig um die Blase zu verteilen und Durchhängen zu vermeiden. Die Drehgeschwindigkeit und die Kraft des Atems (oder des Luftdrucks) steuern direkt die Wanddicke und die endgültige Form. Die meisten Produktions-Glasmacherpfeifen haben eine leichte Verjüngung und sind an einem Ende abgedreht, um ein Mundstück (bei Handarbeit) zu tragen oder einen Pneumatikschlauch aufzunehmen.
Handgeblas-Glasmacherpfeifen bleiben der Standard in der Kunstglasherstellung und der Fertigung von maßgeschneidertem Tafelgeschirr, wo das Urteilsvermögen und die Geschicklichkeit des Glasmachers jede Dimension bestimmen. Industrielle Glashersteller nutzen typischerweise mechanisierte Versionen: Das Rohr ist horizontal montiert und wird von einer Aufnahmemaschine gespeist, Druckluft ersetzt den menschlichen Atem und programmierbare Zeitsteuerung kontrolliert Blasdruck und Dauer. Dies reduziert die physische Belastung durch längere Handarbeit und verbessert die Gleichmäßigkeit, opfert aber die intuitive Kontrolle des traditionellen Glasblasens.
Der Eisenkern der Glasmacherpfeife muss Temperaturwechsel aushalten; billigere Rohre verformen sich oder reißen nach längerer Nutzung. Korrekt gefertigte Rohre haben eine glatte Bohrung, um den Luftstrom nicht zu behindern und Lufteinschlüsse zu vermeiden, die schwache Stellen in der Blase verursachen. Nach Jahren der Nutzung wird die innere Oberfläche rau und unregelmäßig, was die Kontrolle über die Blasform zunehmend erschwert. Eine kratzerige oder gerissene Bohrung ist eine Sicherheitsgefährdung, da Druckluft seitwärts in den Mund des Glasmachers eindringen kann.
Der Begriff ist alt und erscheint in englischen Glasmacherdokumenten aus dem 16. Jahrhundert. Vor der Glasmacherpfeife wurde Glas nur durch Pontilarbeit geformt, wobei der Kunsthandwerker die Blase formte, während sie auf dem Ende eines festen Eisenstabes saß. Die Glasmacherpfeife ermöglichte die Herstellung von Hohlformen und ist im Grundprinzip von ihren mittelalterlichen Vorgängern unverändert geblieben, was bei Industriewerkzeugen selten ist.