Staustrahltriebwerk
Englisch: ramjet
Ein Strahlmotor, bei dem die Vorwärtsbewegung Luft in einen Einlass drückt und komprimiert, ohne eine Pumpenvorrichtung zu verwenden, und bei dem die Verbrennung unterschallgeschwindigkeit ist.
Ramjet: Ansaugluft-Strahltriebwerk für anhaltend hohe Geschwindigkeit
Ein Ramjet ist ein Strahltriebwerk ohne bewegliche Teile im Kern. Anstelle eines von einer Turbine angetriebenen Verdichters nutzt es allein die Fluggeschwindigkeit des Flugzeugs, um die anströmende Luft unter hohem Druck in das Triebwerk zu drücken. Mit zunehmender Geschwindigkeit komprimiert der Stoßeffekt (dynamischer Druck aus der Relativanströmung) die Luft ausreichend für die Brennstoffverbrennung. Die verdichtete Luft tritt in eine Brennkammer ein, wo Brennstoff zündet, und Abgase verlassen das Triebwerk durch eine Düse, um Schub zu erzeugen. Diese Einfachheit macht Ramjets mechanisch robust, schränkt aber den Einsatzbereich erheblich ein.
Ramjets werden erst bei anhaltenden Geschwindigkeiten ab etwa Mach 2 bis 3 wirksam, je nach Auslegung. Darunter wird die Einlassluft weder ausreichend komprimiert, um Verbrennung zu unterstützen, noch bewegt sie sich schnell genug, um einen sinnvollen Schub im Verhältnis zum Flugzeuggewicht zu erzeugen. Deshalb haben Ramjets nie konventionelle Unterschallflugzeuge angetrieben und erscheinen hauptsächlich in spezialisierten Fahrzeugen: Überschallforschungsflugzeugen, Marschflugkörpern und hypersonischen Testfahrzeugen. Das Triebwerk ist beim Start und bei niedriger Geschwindigkeit nutzlos, weshalb jedes Flugzeug mit einem Ramjet erst durch ein anderes Antriebssystem auf die Betriebsgeschwindigkeit beschleunigt werden muss.
Die Brennkammer eines Ramjets arbeitet bei Unterschallströmungsgeschwindigkeiten, typischerweise Mach 0,1 bis 0,3, obwohl Luft mit Überschallgeschwindigkeit in den Einlass eintritt. Dies erfordert einen Diffusor unmittelbar hinter dem Einlass, um die anströmende Luft zu verlangsamen, ohne die Strömung zu blockieren oder abzureißen. Der Diffusor ist ein sorgfältig geformeter Kanal, der kinetische Energie (hohe Geschwindigkeit, niedriger Druck) in statischen Druck umwandelt und die Lufttemperatur erhöht. Ein schlecht ausgeführter Diffusor verursacht Druckverluste und instabile Verbrennung. Der Brennstoff wird üblicherweise über Einspritzdüsen oder Flammhalter zugeführt, um eine stabile Flammenzone in der Brennkammer zu etablieren.
Thermodynamische Grenzen und Werkstoffe
Die Einlasslufttemperatur steigt dramatisch mit zunehmender Geschwindigkeit. Bei Mach 3 kann Luft, die in den Diffusor eintritt, allein durch Komprimierungswärme 300 bis 400 Grad Celsius erreichen, bevor Brennstoff überhaupt verbrennt. Bei Mach 5 und darüber überschreiten die Einlasstemperaturen 1000 Grad Celsius. Diese extreme thermische Belastung erfordert exotische Werkstoffe: Titanlegierungen für Einlass und Diffusor, nickelbasierte Superlegierungen oder Keramiken für Brennkammer und Düsenwandungen. Kühlsysteme wie die Brennstoffzirkulation durch Mantelleitungen sind bei Hochgeschwindigkeitsauslegungen üblich. Dennoch wird der anhaltende Ramjet-Betrieb bei extremen Geschwindigkeiten durch Werkstoffkriechen und Oxidation begrenzt.
Die Bezeichnung Ramjet leitet sich direkt von seinem Funktionsprinzip ab: Der Stoßeffekt der Fluggeschwindigkeit erledigt die Arbeit eines mechanischen Verdichters. Die frühe Entwicklung fand in den 1920er bis 1940er Jahren statt, aber Ramjets flogen praktisch erst in den 1950er Jahren auf Versuchsflugzeugen und Marschflugkörpern. Moderne Marschflugkörper nutzen häufig Ramjets oder Dual-Mode-Scramjets (Überschallverbrennung-Strahltriebwerke, die den Betrieb bis in hypersonische Bereiche erweitern), weil die Triebwerke leicht, zuverlässig bei Geschwindigkeit sind und keine beweglichen Teile haben, die korrodieren oder ausfallen könnten. Im Kontext der industriellen Wartung erscheinen Ramjets selten außerhalb von Luft- und Raumfahrttesteinrichtungen oder Militäranwendungen, aber ihre Prinzipien prägen die Auslegung moderner hypersonischer Fahrzeugantriebe und Einlasssysteme.