Seidenraupenzucht
Englisch: sericulture
Die Aufzucht von Seidenraupen zur Seidenproduktion.
Seidenraupenzucht: Aufzucht von Seidenraupen zur Gewinnung von Rohseide
Die Seidenraupenzucht ist die Aufzucht von Seidenraupen, hauptsächlich der domestizierten Maulbeerseidenraupe Bombyx mori, um Seidenfasern aus ihren Kokons zu gewinnen. Die Praxis umfasst kontrollierte Zucht, Fütterung, Haltung und Verarbeitung der Larven durch ihren kompletten Lebenszyklus, vom Ei bis zur Kokonsbildung. Ein einzelner Kokon liefert ungefähr 600 bis 900 Meter Rohseide-Filament, das die Larve vor der Verpuppung kontinuierlich aufwickelt.
Die Maulbeerseidenraupe ist fast vollständig auf Maulbeerblätter als Futter angewiesen. Seidenraupenzuchtbetriebe unterhalten eigene Maulbeerplantagen oder beziehen täglich Blätter von Lieferanten; ein Kilogramm Kokons benötigt ungefähr 10 Kilogramm frische Blätter. Die Larven werden in klimakontrollierten Räumen auf Regalen oder Gestellen gezüchtet, typischerweise bei 24 bis 26 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 75 Prozent. Der Zyklus vom Schlüpfen bis zur Kokonsbildung dauert unter Standardbedingungen ungefähr 35 bis 40 Tage.
Die Kokonverarbeitung folgt zwei Hauptmethoden: das Ersticken (Abtöten von Puppen mit Hitze oder Dampf) vor oder nach der Seidengewinnung und das Seidenraupenzucht-Abhaspeln (Abwickeln des Filaments von Kokons). Rohseide muss entgummt werden, um Sericin, ein gummiartiges Protein, das die Fasern bindet, zu entfernen; dies geschieht durch Kochen der Kokons in Seife und Wasser. Das resultierende einzelne Filament ist zu fein zur Verwendung; typischerweise werden 4 bis 8 Filamente zusammengezwirnt, um einen einzelnen Strang Schusseide zu bilden, der zum Weben geeignet ist.
Die Seidenraupenzucht konzentriert sich weiterhin auf Asien, besonders auf China, Indien und Vietnam, die zusammen über 90 Prozent der weltweiten Seidenproduktion ausmachen. Japan beherrschte den Handel historisch, produziert aber jetzt Spezial- und hochwertige Seide in viel kleineren Mengen. Krankheitsmanagement ist entscheidend; mikroskopische Infektionen wie Pebrine und Flacherie können ganze Ernten zerstören. Die moderne Seidenraupenzucht stützt sich auf zertifizierte krankheitsfreie Eier, strenge Hygienemaßnahmen und die Entsorgung infizierter Kokons.
Der Begriff leitet sich vom lateinischen sericum (Seide) und dem Suffix -cultura (Kultivierung) ab. Anders als die meiste Tierproduktion erzeugt die Seidenraupenzucht sowohl ein Hauptprodukt (Seidefaser) als auch Nebenprodukte: Puppen, die als Tierfutter oder Dünger verwendet werden, und Seidenabfallsfasern, die zu minderwertigen Garnen versponnen werden. Die Praxis bleibt in der Kokonproduktionsphase arbeitsintensiv, obwohl mechanisches Abhaspeln die Handarbeit in den meisten industriellen Betrieben ersetzt hat.