Ausbreitung
Englisch: shatter
Bei Samen: Verbreitung (Ausstreuung) bei der Reife.
Ausfallkorn: Samen, die vor der Ernte ausfallen
Ausfallkorn ist die natürliche Ausbreitung reifer Samen aus der Ähre oder Hülse während sie reifen und austrocknen. Bei Getreidearten wie Weizen, Gerste und Hafer schwächt sich die Rhachis (das Spindelglied, das die Blütenteile mit dem Haupthalm verbindet) ab und bricht, wodurch einzelne Körner zu Boden fallen. Bei Hülsenfrüchten wie Sojabohnen und Raps trocknen die Hülsenwände aus, schrumpfen und platzen auf und stoßen Samen aus. Das passiert, ob der Landwirt bereit ist oder nicht, weshalb es wichtig ist.
Der Zeitpunkt ist das zentrale Problem. Ein stark ausfallender Bestand kann schon vor der Mähdreschernte 5 bis 15 Prozent Ertrag verlieren, weil Körner in die Stoppeln, in den Boden oder zwischen die Reihen fallen, wo sie nicht mehr geborgen werden können. Ausfallverluste nehmen bei Windeinfluss zu und verschärfen sich bei verzögerter Ernte. Eine Verzögerung von nur einer Woche nach physiologischer Reife kann bei anfälligen Sorten zu erheblichen Verlusten führen.
Züchtung auf Ausfallsicherheit
Pflanzenzüchter haben bei Getreidearten auf zähere Rhachis und bei Hülsenfrüchten auf dickere Hülsenwände selektiert, um das Ausfallkorn zu verringern. Moderne Weizen- und Gerstensorten fallen deutlich weniger aus als alte Landsorten oder historische Sorten. Bei Raps halten einige neuere Linien die Schoten beim Austrocknen besser. Die Sojabohnenzüchtung hat Linien hervorgebracht, bei denen die Hülsen besser haften, vollständige Vermeidung ist aber nicht praktikabel, da etwas Ausfallkorn normal ist.
Ausfallkorn ist nicht vollständig ein Fehler. In wilden und verwilderten Populationen ist es der wichtigste Ausbreitungsmechanismus und für Überleben und Vermehrung unerlässlich. Pflanzenforschung nutzt dieses Merkmal manchmal in anderen Zusammenhängen: gezieltes Ausfallkorn von Ähren kann zur Körnersammlung für kleine Bestände oder Züchtungsarbeiten verwendet werden. Das Verhältnis zwischen Erbgut und Erntelogistik bestimmt die Sortenwahl in verschiedenen Regionen und Jahreszeiten.