Schultergurt
Englisch: shoulder belt
Ein Sicherheitsgurt, der über eine Schulter und diagonal über den Oberkörper verläuft (entlang der unteren Rippenkontur) und den Oberkörper sichert; wird oft mit einem Beckengurt kombiniert, der das Becken hält und das Durchrutschen verhindert.
Schultergurt: diagonale Oberkörperhalterung am Fahrzeugsitz
Ein Schultergurt ist ein Webbandstreifen, der diagonal über den Oberkörper verläuft und an Punkten ober- und unterhalb der Schulter verankert ist, um Vorwärts- und Rotationsbewegungen bei Kollisionen oder plötzlichen Bremsungen zu begrenzen. Er arbeitet zusammen mit einem Beckengurt, der das Becken hält, und bildet das moderne Dreipunkt-Sicherheitssystem. Der Schultergurt verläuft üblicherweise über die Brust und unter dem Arm, folgt dem Rippenbogen und führt zur Hüfte hinab.
Die Geometrie ist entscheidend. Der Gurtweg sollte etwa 10 bis 15 Zentimeter nach innen von der Schulter versetzt sein und darf nicht gegen den Hals drücken. Bei modernen Fahrzeugen sitzt die obere Verankerung oft an der B-Säule oder Dachlinie, während die untere Verankerung (identisch mit der des Beckengurts) tief im Sitzrahmen nahe dem Boden liegt. Diese Geometrie verteilt Crashkräfte auf die stärksten Skelettteile: Brustbein, Rippen und Becken.
Ein Schultergurt allein bietet unvollständigen Schutz; er kann nicht verhindern, dass das Becken unter dem Beckengurt nach vorne rutscht, ein Versagensmodus, der als Unterschießen bekannt ist. Dreipunkt-Gurte verbinden Schulter- und Beckenteil zu einem durchgehenden Webband, das die gleiche Schnalle und den gleichen Rückholmechanismus nutzt. Zweipunkt-Schultergurte, üblich in älteren Fahrzeugen und einigen Rücksitzen, lassen den unteren Oberkörper ungegürtet und sind deutlich weniger wirksam. Moderne Konstruktionen beinhalten oft Straffmechanismen, die die Gurtlänge innerhalb von 10 bis 20 Millisekunden nach Aufprall straffen.
Das Material ist typischerweise Polyesterwebband mit 45 bis 50 Millimeter Breite, ausgelegt für Belastungen von 13.000 bis 15.000 Newton ohne Reißen. Das Webband kann glatt oder mit einer reibungsarmen Beschichtung versehen sein, um Verwicklung oder Verdrehung zu verhindern. Rückholmechanismen nutzen entweder eine einfache mechanische Verriegelung, durch einen Pendel- oder Rollensensor, der bei Verzögerung einrastet, oder pyrotechnische Zünder, die bei Airbag-Auslösung die Spule sofort sperren.
Die Verstellung erfolgt über einen D-Ring oder eine Führungsschleife, die entlang der vertikalen Montagessäule gleitet und Insassen ermöglicht, die Gurthöhe anzupassen, um den Hals freizugeben. Falsche Verstellung ist ein häufiges Problem in der Praxis: Ein zu hoch positionierter Gurt kann das Schlüsselbein quetschen oder brechen; zu tief, kann er während eines Aufpralls ganz von der Schulter rutschen. Viele moderne Fahrzeuge haben auch Lastbegrenzer im Rückholmechanismus eingebaut, die das Webband bei Kräften über 4.000 bis 6.000 Newton allmählich freigeben, um Rippenbrüche zu reduzieren.