Bestockung
Englisch: stocking
Das Verhältnis der tatsächlichen Baumbestandsdichte in einem Gebiet zur idealen Dichte, die die optimale Nutzung des Landes ermöglicht.
Bestockung: wie voll ein Wald wirklich ist
Bestockung misst, welcher Anteil des Wachstumspotenzials eines Waldes durch die vorhandenen Bäume tatsächlich genutzt wird. Sie drückt die Baumdichte als Prozentsatz eines Referenzstandards aus, üblicherweise die Stammzahl pro Hektar oder die Grundfläche (Gesamtquerschnittsfläche aller Baumstämme in Brusthöhe), die ein vollständig produktiver Bestand gleichen Alters und gleicher Art enthalten würde. Ein Bestand mit 100% Bestockung nutzt den Standort vollständig; einer mit 60% hat 40% seiner Kapazität ungenutzt.
Der Referenzstandard, genannt Vollbestockung oder Normalbestockung, variiert je nach Art, Alter, Standortgüte und Region. Förster verwenden Ertragstafeln oder Waldwachstumsmodelle, um zu bestimmen, wie eine vollständig bestockte Fläche aussehen sollte. Eine junge Plantage könnte bei 5.000 Stämmen pro Hektar vollbestockt sein, während ein reifer Laubmischwald bei 300 Stämmen pro Hektar vollbestockt sein könnte. Der Bestockungsprozentsatz wird berechnet, indem man die tatsächliche Grundfläche oder Stammzahl durch den Standard teilt und mit 100 multipliziert.
Warum Bestockung in der Praxis wichtig ist
Unterbestockte Bestände, typischerweise unter 70%, verschwenden Standortproduktivität und sammeln Totholz und Unterholz an. Sie erholen sich auch langsam nach der Ernte. Überbestockte Bestände, über 100%, bedeuten, dass Bäume erbittert um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren, was zu kleineren Einzelbäumen, verlangsamtem Durchmesserwachstum und höherer Sterblichkeit durch Krankheit und Stress führt. Der optimale Bestockungsbereich hängt von den Bewirtschaftungszielen ab: Holzproduktion bevorzugt üblicherweise 70% bis 90% Bestockung, während Lebensraum für Wildtiere oder Kohlenstoffansammlung andere Dichten begünstigen können.
Bestockung wird durch Probeflächenaufnahmen oder Relaskopierungen im Gelände ermittelt. Plotdaten werden mit regionalen Bestockungstafeln oder -kurven verglichen. Der Begriff stammt aus der alten Bedeutung von Bestand als Vorrat oder Lagerung von Vieh oder Waren; die Baumpopulation eines Waldes war sein biologischer Bestand. Das Konzept wurde in der deutschen Forstwirtschaft im 19. Jahrhundert formalisiert und ist seitdem für Forstinventur und Bewirtschaftungsplanung in gemäßigten Klimazonen zentral geblieben.
Bestockung allein beschreibt nicht die Waldgesundheit; ein Bestand kann zu 100% vollbestockt sein, aber aus fehlerhaften oder erkrankten Bäumen bestehen. Sie ist eine Kennziffer unter vielen, die zusammen mit Alter, Artenzusammensetzung, Durchmesserverteilung und Standortindex verwendet wird, um zu beurteilen, ob ein Wald auf dem richtigen Weg ist, seine Bewirtschaftungsziele zu erreichen.