Scheitelpunkt
Englisch: summit
Der höchste Punkt eines Kanals, einer Eisenbahn, einer Straße usw.
Scheitelpunkt: die höchste Höhe zwischen zwei Gefällen
Im Eisenbahnwesen ist ein Scheitelpunkt die höchste Stelle eines Streckenplans zwischen zwei Gefälleabschnitten. Er markiert den Übergang, an dem die Strecke aufhört zu steigen und in beiden Richtungen abfällt. Bei einem Kanal ist der Scheitelpunkt der Wasserstreckenabschnitt zwischen den Schleusen, die Boote von einer Ebene zur anderen heben und senken. Der Begriff gilt gleichermaßen für Straßen, aber Schienen- und Kanalarbeiten verwenden ihn am präzisesten in Ingenieursberechnungen.
Eisenbahnscheitelpunkte sind wichtig, weil sie die Entwässerung, die Bremsleistung und die Leistungsfähigkeit der Lokomotive beeinflussen. Ein Scheitelpunkt, der zu flach oder schlecht entwässert ist, wird zur Problemzone, in der sich Wasser staut und das Gleisbett versagt. Umgekehrt kann ein scharfer Scheitelpunkt mit enger Vertikalkurve zu Radabheben bei leichteren Wagen führen. Ingenieure legen die Scheitelpunkthöhe und den Radius der Vertikalkurve fest, die ihn mit den aufsteigenden und absteigenden Gefällen verbindet. Bei steilen Bergstrecken kann der Scheitelpunktabschnitt nur wenige hundert Meter lang sein.
Scheitelpunkte und Betriebsvorgaben
Die Lage des Scheitelpunkts bestimmt, wo ein Zug mit dem Bremsen beginnen muss und wie viel kinetische Energie er in die Abfahrt mitbringt. Güterbahner kümmert das, weil ein Zug, der mit Höchstgeschwindigkeit einen langen Anstieg hinauf einen Scheitelpunkt erreicht, erhebliche Geschwindigkeit verloren hat; die Scheitelpunkthöhe sagt dir die tatsächliche Arbeit, die die Lokomotive leisten muss. Bei Gefällen steiler als 1 zu 40 werden Scheitelpunkte zu kritischen Übergangspunkten, an denen Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten oder Vorspannlokomotiven eingesetzt werden.
Kanalscheitelpunkte werden durch Pumpen, Quellen oder Zuleitungskanäle aus höheren Einzugsgebieten gespeist. Der Wasserspiegel am Scheitelpunkt muss konstant gehalten werden, damit sich Schleusenkammern zuverlässig füllen und leeren können. Ein Scheitelpunktstreckenabschnitt, der zu flach ist oder durch Versickerung Wasser verliert, führt zu Betriebsverzögerungen oder zwingt zu Ladeeinschränkungen für Boote. Historische Kanäle legten ihre Scheitelpunkte oft an der höchsten natürlichen Geländestelle an, wo die Schwerkraft ausreichend Wasser liefern konnte.
Der Name stammt vom Lateinischen summum, was höchster oder oberster Punkt bedeutet, und kam im 18. Jahrhundert in die englische Verkehrsfachsprache, als Kanal- und Kunststraßennetze erstmals fachmännisch vermessen wurden. Er bleibt der Standardbegriff in der Bauingenieurwissenschaft, weil er präzise ist: nicht einfach der höchste Punkt in der Landschaft, sondern der höchste Punkt auf einer bestimmten Strecke und der Punkt, von dem aus das Gefälle in beiden Richtungen beginnt.