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Bahntechnik

entelectrifizieren

Englisch: de-electrify

Die Stromversorgung für Elektrozüge aus einer Eisenbahnstrecke entfernen.

Entelectrifizierung: Fahrleitung und Schaltanlagen zurückbauen

Entelectrifizierung bedeutet den Rückbau der elektrischen Infrastruktur, die Züge auf einer elektrifizierten Eisenbahnstrecke antreibt. Dazu gehören die Fahrdrähte, die Tragkonstruktionen (Fahrleitungsmasten und Ausleger), die Umspannwerke, Versorgungskabel, Schaltanlagen und alle weiteren Komponenten der Fahrstromversorgungsanlage. Nach der Entelectrifizierung kann eine Strecke nur noch von Diesel- oder Batterie-Zügen befahren werden oder muss später mit erheblichen Kosten neu elektrifiziert werden.

Der Rückbau erfolgt aus wirtschaftlichen oder betrieblichen Gründen. Ein Eisenbahnunternehmen kann eine schwach genutzte Nebenstrecke entelectrifizieren, wenn die Einnahmen die Unterhaltskosten der Fahrleitung nicht rechtfertigen, die regelmäßige Kontrollen, Überwachung des Schleifverschleißes und Vegetation-Management erfordert. Manche Strecken werden entelectrifiziert, wenn Personen- oder Güterverkehr unter Schwellenwerte fallen und der Dieselbetrieb wirtschaftlicher wird. Andererseits können schlecht ausgestattete Strecken mit veralteter Infrastruktur und hohen Ausfallquoten entelectrifiziert und von Grund auf neu aufgebaut werden, anstatt sie schrittweise zu reparieren.

Entelectrifizierung ist nicht einfach ein Stromabschalten. Die Fahrdrähte müssen sicher spannungsfrei geschaltet, auf Fehlenspannung geprüft und anschließend physisch demontiert werden. Die Fahrleitungsmasten, die üblicherweise 6 bis 9 Meter hoch stehen und 40 bis 60 Meter Abstand haben, müssen aus ihren Fundamenten gelöst oder abgebaut werden. Umspannwerke und ihre Verkabelung werden stillgelegt und häufig komplett entfernt. Bei frequentierten Strecken erfolgt diese Arbeit in geplanten Baufehlstellen (Streckensperrungen), manchmal mehrere Tage pro Abschnitt. Der Rückbau erzeugt Kupfer-, Aluminium- und Stahlschrott, der recycelt werden kann.

Unterschied zu Stilllegung und Spurwechsel

Entelectrifizierung bedeutet keine Stilllegung der Eisenbahn; Züge fahren weiterhin, aber mit Diesel- oder später Batterie-Antrieb. Das unterscheidet sich von einer kompletten Streckenschließung, bei der das Gleis abgebaut wird. Manche Eisenbahnen haben Strecken entelectrifiziert und Jahrzehnte später wieder elektrifiziert, wenn sich Technologie oder Nachfrage änderten. Eine kleinere Operation, der Spurwechsel, ändert die Spurweite (den Abstand zwischen den Schienen) und nicht das Stromversorgungssystem, erfordert aber andere Infrastrukturarbeiten.

Der Begriff erscheint vor allem in britischen und europäischen Eisenbahndiskussionen, wo viele Regional- und Nebenstrecken, die in den 1960er und 1970er Jahren elektrifiziert wurden, inzwischen entelectrifiziert sind. Die Entscheidung ist oft politisch umstritten, da Elektrifizierung als permanente Verbesserung wahrgenommen wird, während Entelectrifizierung als Rückschritt gilt. Aus rein finanzieller Perspektive kann aber die Entelectrifizierung schwach genutzter Strecken das Eisenbahnnetz prolongieren, indem Kapital für Investitionen in stark frequentierte Korridore freigesetzt wird.

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