entsäuern
Englisch: sweeten
Den pH-Wert eines Bodens durch Zugabe von Alkali erhöhen.
Sweeten: saure Böden mit Alkali neutralisieren
In der Landwirtschaft bedeutet Sweeten die pH-Wert-Erhöhung des Bodens durch Zugabe von alkalischem Material, meist gemahlener Kalkstein (Calciumcarbonat) oder Branntkalk (Calciumhydroxid). Saure Böden mit pH unter 6,5 behindern die Nährstoffaufnahme, begünstigen schädliche Krankheitserreger und Aluminiumtoxizität; Sweaten behebt diesen chemischen Zustand und macht den Boden für die meisten Feldfrüchte nutzbar.
Standardmaterial ist Landwirtschaftskalkstein, angewendet mit 1 bis 5 Tonnen pro Acre je nach Boden-pH und -textur. Lehmböden benötigen mehr Kalkstein als Sandböden für die gleiche pH-Verschiebung, da Tone eine höhere Pufferkapazität haben. Die Ausbringung ist mechanisiert: Streumaschinen, entweder selbstfahrend oder vom Traktor über die Zapfwelle angetrieben, verteilen den gemahlenen Kalkstein gleichmäßig über das Feld. Das Material muss durch Pflügen oder Scheibeneggen in den Boden eingearbeitet werden, um den Kontakt mit sauren Partikeln zu erhöhen und die Reaktion zu beschleunigen.
Branntkalk wirkt schneller als gemahlener Kalkstein, da er besser löslich ist und den pH-Wert innerhalb von Wochen statt Monaten anhebt; allerdings ist er ätzend, teurer und wird hauptsächlich auf kleineren Flächen oder bei schnellerer Korrektur verwendet. Holzasche und Schlacke aus Stahlwerken sind alternative, aber weniger zuverlässige Alkaliquellen. Dolomitischer Kalkstein enthält sowohl Calcium- als auch Magnesiumcarbonat und wird gewählt, wenn gleichzeitig Magnesiummangel vorliegt.
Der Begriff Sweeten stammt aus dem Sprachgebrauch der Landwirtschaft: Bauern bezeichneten saure Böden als sauer und alkalische Böden als süß, was auf inzwischen überholte Kostproben zurückgeht, aber im Wortschatz erhalten bleibt. Die Praxis ist Routine in Regionen mit hohem Niederschlag, wo natürliche Auswaschung die Bodenbasen erschöpft. Sweeten muss zeitlich abgestimmt werden: eine Ausbringung 3 bis 6 Monate vor der Aussaat ermöglicht die Kalkreaktion; zu kurz vor der Aussaat ist Material verschwendet, da die Reaktion unvollständig bleibt.
Zu starkes Sweeten ist möglich und schädlich; Böden über pH 7,5 binden Mikronährstoffe wie Eisen, Zink und Mangan fest und erzeugen Mangelsymptome trotz ausreichender Bodengehalte. Bodenuntersuchung ist unverzichtbar. Ein sachgerechtes Sweeten-Programm folgt den Untersuchungsergebnissen und passt die Ausbringungsrate an den Ziel-pH und Bodentyp an, um sowohl Säure als auch Überalkalinität zu vermeiden.