Lockfrucht
Englisch: trap crop
Feldfrucht, die angebaut wird, um Schädlinge von benachbarten Kulturen abzulenken.
Lockfrucht: bewusst angebaute Schädlingsköder zum Schutz wertvollen Pflanzenmaterials
Eine Lockfrucht ist eine gezielt angebaute Pflanze, die landwirtschaftliche Schädlinge von einer benachbarten Marktfrucht oder einem geschützten Bereich weglockt. Sie fungiert als Opferpuffer und konzentriert Schädlingspopulationen auf wertverlosen Pflanzen, sodass die Hauptkulturen weniger Schaden erleiden. Die Lockfrucht selbst kann nach getaner Arbeit zerstört, in den Boden eingearbeitet oder als Futter oder Kompost genutzt werden.
Die Auswahl der Lockfruchtart hängt vom Schädlingsverhalten und der Attraktivität ab. Beispielsweise locken Senf und Rettich-Pflanzungen Kohlblattläuse und Erdflöhe von Brassica-Feldern ab. Kürbissorten ziehen Kürbiskäfer und Gurkenkäfer an, die sonst Hauptkultkulturen wie Melonen oder Gurken befallen würden. Ringelnblumen und Kapuzinerkresse konzentrieren Blattläuse, Weiße Fliegen und Spinnmilben. Die Lockfrucht muss für den Zielschädling attraktiver sein als die Marktfrucht, was oft bedeutet, dass sie näher an Eindringlingsstellen gepflanzt wird oder in höherer Konzentration als unter natürlichen Bedingungen.
Lockfrüchte funktionieren am besten in integrierten Schädlingsbekämpfungssystemen (IPM) und nicht als eigenständige Lösungen. Sie reduzieren den Schädlingsdruck ausreichend, um den Chemikalieneinsatz zu senken, beseitigen Schädlinge aber selten vollständig. Das Timing ist entscheidend: Die Lockfrucht muss etabliert und attraktiv sein, bevor die Schädlingsaktivität ihren Höhepunkt erreicht. Sobald Schädlinge die Lockfrucht stark befallen, können die befallenen Pflanzen untergegraben, entfernt oder gezielt mit Pflanzenschutzmitteln zu geringeren Kosten als beim Schutz des gesamten Feldes behandelt werden. Manche Betriebe nutzen eine rollierende Lockfrucht-Strategie und pflanzen neue Reihen an, wenn die etablierten Reihen mit Schädlingen übersättigt sind.
Die Wirksamkeit hängt von Landschaftsfaktoren ab. Auf offenen Feldern mit verteilten Pflanzungen können Schädlinge die Marktfrucht finden, bevor sie auf die Lockfrucht treffen. Grenzflächenplatzierung, umgebende Barrieren und Lockfrucht-Vitalität beeinflussen alle den Erfolg. Mehrjährige Lockfrucht-Bepflanzungen am Feldrand funktionieren in manchen Systemen besser als jährliche Zwischenpflanzungen, benötigen aber längere Etablierungszeiten. Wetter, Schädlings-Lebenszyklus und Populationen von Nützlingen beeinflussen auch die Ergebnisse.
Lockfrüchte werden manchmal mit Zwischenfrüchten oder Opferreihen verwechselt, aber der Unterschied ist wichtig. Eine Lockfrucht wird speziell für die Schädlingsanlockung angebaut, eine Opferreihe ist ein Streifen der Hauptfrucht, der dem Schädlingsbefall ausgesetzt wird, um den Rest zu schützen. Zwischenfrüchte dienen der Bodengesundheit und wirken nebenbeiläufig schädlingsabschreckend. Die Terminologie spiegelt die bewusste Strategie der Anlockung statt des Schutzes wider.