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Kolophon: vom Notiz des Schreibers zur Marke

Mittelalterliche Mönche nutzten Kolophone, um ihre Arbeit zu signieren; moderne Drucker nutzen sie, um sich dazu zu bekennen.

Für den Leser ist ein Kolophon kaum wahrnehmbar: ein kleines Emblem oder Textblock am Ende eines Buches, das den Verleger oder Drucker nennt. Es sitzt in derselben stillen Ecke wie die Urheberrechtsnotiz und die ISBN. Die meisten Menschen suchen danach nicht. Diejenigen, die es tun, verwechseln es oft mit einem Logo oder behandeln es als Kuriosität, als Überbleibsel aus älterer Buchproduktion.

Im Druckereihandwerk ist das Kolophon viel bewusster eingesetzt. Es ist die förmliche Eigentumsmarke des Druckers oder Verlegers, platziert dort, wo Drucker es seit Jahrhunderten platzieren. Ein kommerzielles Kolophon nennt in der Regel den Verlag, die verwendete Schrift, das Papiermaterial, den Ort des Druckers und manchmal das Druckdatum. Es ist Beglaubigung und Aufzeichnung zugleich. Bei Fein- und limitierten Ausgaben wird das Kolophon aufwendiger: Es dokumentiert die ganze Herstellung, die Anzahl der gedruckten Exemplare, die Namen des Setzers und des Binders, manchmal auch des Künstlers oder Fotografen. Es ist sowohl Unterschrift als auch Spezifikationsblatt.

Der Begriff hat einen älteren Ursprung. In mittelalterlichen und frühen gedruckten Manuskripten war ein Kolophon die eigene Notiz des Schreibers oder Druckers, oft in der ersten Person geschrieben, in der er erklärte, wer das Buch machte und warum. Ein Drucker des 15. Jahrhunderts könnte schreiben: 'Ich, Johann Gutenberg, habe dieses Buch in Mainz im Jahre unseres Herrn 1455 gedruckt.' Das waren persönliche Zeugnisse, manchmal emotional oder defensiv, in den Text selbst unterzeichnet. Sie dienten keinem kommerziellen Zweck; sie waren Beweis der Urheberschaft in einer Zeit, als Bücher selten und arbeitsintensiv waren.

Das Wort selbst stammt aus dem Griechischen kolophon und bedeutet einen Schlussstein oder einen Höhepunkt. In antiken Texten war ein Kolophon der abschließende Schliff oder eine Zusammenfassung. Als der Druck nach Europa kam, wurde der Begriff entlehnt, um die abschließende Notiz des Schreibers zu beschreiben, und er blieb erhalten. Als der Druck zur Industrie wurde, verwandelte sich das Kolophon von persönlichem Zeugnis in standardisierte Marke. Die Metapher hielt sich, aber die Motivation verschob sich vom Eigentum zur Markenbildung.

Heute erfüllt das Kolophon beide Funktionen gleichzeitig. Große Verlage beschränken es oft auf ein einfaches Logo auf dem Rücken oder eine Textzeile auf der hinteren Innenseite. Kleinere Pressen, Universitätsverlage und Spezialdruckereien halten die alte Konvention am Leben, indem sie detaillierte Kolophone drucken, die fast wie das mittelalterliche Original lesen, nur dass sie jetzt Offsetlithografie beschreiben statt Handeinbindung. In beiden Fällen beansprucht das Kolophon das Buch. Es sagt: Jemand hat dies mit Absicht und Sorgfalt gemacht.

The dictionary entry

colophon (noun, industrial printing)
A printer's or publisher's identifying inscription or logo appearing at the front or end of a book, or the same appearing on the spine or dust jacket.

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