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Japanning: Der europäische Etikettenschwindel

Wenn Zimmerleute Holz japanierten, ehrten sie nicht die japanische Handwerkskunst, sondern stellten eine überzeugende europäische Massenproduktionsfälschung her.

Für die meisten Menschen bedeutet Japanning eine glänzende, dekorative Oberfläche, inspiriert von asiatischer Lackierkunst, wie die üppigen Schwarz-Gold-Effekte, die man auf antiken Möbeln oder Teedosen sieht. Das Wort selbst deutet auf Japan und japanische Handwerkskunst hin. Aber der Begriff beschreibt eigentlich etwas ganz anderes: einen europäischen Industrietrick.

In der Zimmererei und Möbelherstellung ist Japanning eine schnelle und billige Methode, um echte japanische Lackierung nachzuahmen. Ein Zimmermann trug einen aufbaubaren Kunstharzlack auf das Holz auf, malte dekorative Muster mit Ölen oder speziellen Pigmenten auf und buk das ganze Stück dann in einem niedriger temperierten Ofen. Diese wärmegehärtete Oberfläche wurde hart und glänzend, ohne die arbeitsintensive Handaufbringung echter Lackierung zu erfordern, die mehrere dünne Schichten Baumharz mit Hand aufgetragen und über Wochen oder Monate poliert umfasst. Japanning erreichte den Look in einem Bruchteil der Zeit und Kosten.

Die Technik entstand im siebzehnten Jahrhundert in Europa, als die Nachfrage nach ostasiatischen Waren explodierte. Japanische und chinesische Lackwaren erzielten Premiumpreise; europäische Hersteller konnten die Handwerkskunst nicht erreichen, also entwickelten sie ein Imitationsverfahren. Sie nannten es Japanning nicht aus Respekt, sondern als Verkaufsbegriff: dieses fertige Stück sah aus, als käme es aus Japan, obwohl es in London oder Amsterdam hergestellt wurde. Im achtzehnten Jahrhundert war Japanning in englischen und europäischen Möbelwerkstätten so verbreitet, dass es sich zu einer eigenen Handwerksspezialität entwickelte, die als eigenständiges Handwerk unterrichtet wurde.

Echte japanische Lackierkunst dagegen bleibt eine Kunstform, die jahrelange Ausbildung verlangt. Sie ist weder ein Produktionsverfahren noch eine Methode, etwas anderes zu fälschen. Der europäische Begriff Japanning verewigt damit eine historische Umkehrung: das englische Wort kennzeichnet nicht die authentische Technik, sondern die europäische Industriekopie, die entworfen wurde, um Käufer glauben zu machen, sie besäßen etwas Exotisches.

The dictionary entry

japanning (noun, carpentry)
A European technique of creating lacquerware in imitation of the traditional Japanese style.

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