Leporello: Wenn eine Falte zur Form wird
Für die meisten Menschen ist es eine Kuriosität der Operngeschichte; für Drucker ist es ein spezifisches Faltmuster, das echte Platz- und Abfolgeprobleme löst.
Außerhalb der Druckindustrie kennt man ein Leporello hauptsächlich als Figur aus Mozarts Don Giovanni: der Diener, der eine lange Liste der Eroberungen seines Herrn durch das Auseinanderziehen einer Rolle vorweist. Der Name ist im kulturellen Gedächtnis als Bezug zu jenem ikonischen Moment der theatralischen Offenbarung haften geblieben.
In der industriellen Druckerei ist ein Leporello ein Blatt, das nach Art eines Leporellos oder Zieharmonika-Musters gefaltet wird und dabei Felder schafft, die ineinander liegen und sich wie jene fiktive Rolle der Reihe nach öffnen. Anders als ein einfaches Heftchen oder ein Satinheftchen wird ein Leporello aus einem einzigen Stück Papier geschnitten und gefaltet, wobei jedes Feld die gleiche Breite hat. Wenn es ganz aufgeklappt wird, erstreckt es sich als durchgehender Streifen. Wenn es geschlossen ist, liegen die Felder so übereinander, dass nur die äußerste Umschlagseite sichtbar ist.
Drucker schätzen das Leporello für Kataloge, Gebrauchsanleitungen, Karten und Werbematerial, wo man die Informationsreihenfolge kontrollieren oder eine dramatische Enthüllung schaffen möchte. Das Format funktioniert gut für Produkte, die eine schrittweise Präsentation erfordern, oder für Zeitstrahlen, die chronologisch ablaufen. Ein einzelnes, richtig gerilltes und gefaltetes Blatt benötigt keine Bindung, was die Produktionskosten senkt und das Loseblatt-Problem bestimmter Heftchenarten vermeidet.
Das Muster ist in allen Druckindustrien nicht standardisiert. Die Anzahl der Felder, die Feldbreite, die Umschlagwicklung und die Falzreihenfolge variieren je nach Auftrag. Präzision beim Rillen und der Falzrichtung ist entscheidend: Ein Leporello wird auf einer Falzmaschine versagen oder blockieren, wenn die Rillen nicht richtig angebracht sind oder das Papiergewicht für die ineinander liegenden Falten ungeeignet ist.
Der Name ist in das Druckvokabular eingegangen, weil die optische Metapher perfekt war: Wie Leporellos Liste sich entrollt, um verborgene Wahrheiten zu offenbaren, enthüllt die Leporello-Falte Informationen schrittweise beim Öffnen. Die Übernahme des Figurennamens für dieses besondere Heftformat ist ein Beispiel dafür, dass sich eine lebendige historische Anspielung zu technischer Kurzhand entwickelt, ähnlich wie Guillotine für einen Papierschneider.
The dictionary entry
leporello
(noun, industrial printing)
Any printed material (book, leaflet etc.) having such folds; a concertina.