4WS
Abkürzung für Vierradlenkung.
4WS: Lenkung aller vier Räder, nicht nur zwei
Vierradlenkung (4WS) ist ein Fahrzeuglenkungssystem, bei dem die Hinterräder zusammen mit den Vorderrädern einschlagen, anstatt starr zu bleiben. Durch die Lenkung der Hinterachse reduziert 4WS den Wendekreis bei niedriger Geschwindigkeit und verbessert die Stabilität bei hoher Geschwindigkeit und die Reaktion beim Spurwechsel. Die Hinterräder schlagen typischerweise in einem viel kleineren Winkel aus als die Vorderräder, oft begrenzt auf maximal 5 bis 10 Grad.
Die Systeme unterscheiden sich darin, wie sie die Hinterachse lenken. Frühe mechanische 4WS-Systeme nutzten eine Seil- oder Stangenkopplung vom vorderen Lenkgetriebe zu einem Proportionalventil hinten. Moderne Systeme sind elektrohydraulisch oder vollständig elektrisch mit einem separaten Aktor, der den Hinterradwinkel aufgrund der Fahrzeuggeschwindigkeit, der Lenkeingabe und der Sensorrückmeldung steuert. Der Hinterradlenkwinkel ist normalerweise proportional zum vorderen Lenkwinkel und zur Fahrzeuggeschwindigkeit: Bei niedriger Geschwindigkeit können die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern einschlagen (Zehen-raus-Modus), was die Kurve enger macht; bei hoher Geschwindigkeit schlagen sie in die gleiche Richtung wie die Vorderräder aus (Zehen-rein-Modus), was die Stabilität erhöht.
4WS wird seit den 1980er Jahren bei bestimmten japanischen und europäischen Pkw und SUV angeboten. Die Umsetzung ist kostspielig, da sie zusätzliche Hydraulikleitungen, Aktoren und Steuerelektronik erfordert. Fahrzeuge mit längerem Radstand profitieren am meisten, da sie größere Wendekreise haben und ihr Heck während enger Manöver über Spuren hinweg schwingen können. Kompaktwagen haben weniger Vorteil und sind selten mit diesem System ausgestattet. Lastkraftwagen und Busse nutzen 4WS nur bei Spezialanwendungen wie Flughafen-Zugfahrzeugen oder Müllsammelfahrzeugen für beengte Räume.
Die Hauptnachteile sind Kosten, Komplexität und Wartung. Ein fehlerhafter Hinterrad-Lenkingaktor oder Sensor kann das Fahrverhalten unvorhersehbar beeinträchtigen. Die Reparatur erfordert spezialisierte Diagnosegeräte. Der Reifenverschleiß kann ungleichmäßig sein, wenn der Hinterrad-Lenkmechanismus Spiel oder Blockierungen entwickelt. Die Fahrvertrautheit spielt ebenfalls eine Rolle: Manche Fahrer finden die schärfere anfängliche Einlenkreaktion verunsichernd, besonders wenn sie an konventionelles Lenkgefühl gewöhnt sind.
4WS wird manchmal mit Allradantrieb (AWD) verwechselt, was eine Antriebsart ist. Ein Fahrzeug kann 4WS ohne AWD haben oder AWD ohne 4WS. Die beiden Systeme sind unabhängig und verfolgen unterschiedliche Leistungsziele: AWD verbessert die Traktion und Beschleunigung, während 4WS die Lenkagility und die Fahrstabilität verbessert.