American
Eine Schriftgröße, die kleiner als German ist, 1-Punkt-Schrift.
Amerikanisch: eine 1-Punkt-Schriftgröße, heute obsolet
In der Metallschriftgießerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war die Amerikanisch eine Schriftgröße von 1 Punkt und zählte damit zu den kleinsten praktikablen Schriftgrößen für den Handsatz. Sie lag zwischen der Perle (5-Punkt) und der Deutschen (2-Punkt) in der absteigenden Skala der kleiner werdenden Schriften. Der Name spiegelt die Handelspraktiken europäischer Schriftgießer wider, die Größen eher geografisch als nach präzisen Maßen benannten; diese Gepflogenheit blieb selbst dann noch bestehen, als bereits Normalisierungsbemühungen im Gange waren.
Die 1-Punkt-Amerikanisch fand nur begrenzt Anwendung bei speziellen Drucksachen: kleine Anmerkungen in Rechtsdokumenten, gedrrängte Fußnoten und winzige Nachschlagewerke, wo Platz kostbar war. Ihre extreme Kleinheit machte sie schwierig von Hand zu setzen und anfällig für Beschädigungen beim Druck. Drucker, die mit derart winzigen Schriften arbeiteten, brauchten Lupe und ruhige Hände; die Belohnung war extreme Informationsdichte statt Lesbarkeit.
Warum der Begriff verschwand
Die Amerikanisch und ihre Schwesterschrößen (Deutsche, Perle, Diamant) verschwanden aus dem Gebrauch, als sich das Punkt-System in der Mitte des 20. Jahrhunderts bei englischsprachigen Gießereien standardisierte. Die moderne Schriftmessung, die auf präzisen Punkt-Schritten basiert, wobei 72 Punkte ein Zoll ergeben, machte die alte geografische Nomenklatur überflüssig. Ab den 1960er-Jahren waren diese Namen aus den Schriftmusterkatalogen und den Nachschlagewerken der Setzer verschwunden.
Heute existiert die Amerikanisch nur noch in historischen Schriftmusterbüchern und im Gedächtnis von Druckern, die vor der Fotosatz- und der digitalen Setzertechnik ausgebildet wurden. Ihr Verschwinden markiert die Grenze zwischen handwerklicher Benennungskonvention und industrieller Standardisierung. Keine Gießerei stellt mehr eine 1-Punkt-Metallschrift her; die digitale Typografie macht solche Größen für die meisten Arbeiten unpraktisch, obwohl Namensspuren in spezialisierter historischer Setzertechnik fortbestehen.