Multigraph
Englisch: multigraph
Kombinierte Rotations-Schriftsetzungs- und Druckmaschine für Bürozwecke. Die Type wird halbautomatisch durch Tasten von einer Typenscheibe auf eine Drucktrommel übertragen. Der Druck erfolgt entweder durch ein tintengetränktes Farbband für maschinengeschriebene Buchstaben oder direkt von getinkter Type oder einer Druckplatte wie bei einer Druckmaschine.
Multigraph: Bürodruck trifft Satzautomatisierung
Eine Multigraph ist eine Hybridmaschine, die tastaturgesteuerten Satz mit direktem Druck verbindet und für hohe Auflagen in Büros des frühen bis mittleren zwanzigsten Jahrhunderts konzipiert war. Anstatt Lettern von Hand zu setzen oder die Arbeit zu einer kommerziellen Druckerei zu geben, konnte der Bediener den Text über Tasten eingeben und dann direkt drucken, ohne die Lettern manuell zu entnehmen und einzufärben. Die Maschine nahm in Leistung und Geschwindigkeit eine Mittelstellung zwischen Schreibmaschine und kleiner Offsetdruckmaschine ein, was sie für Banken, Versicherungen und große Büros attraktiv machte, die mehrere gedruckte Exemplare mit gleichbleibender Qualität benötigten.
Der Kerntriebwerk nutzt eine Letterntrommel mit Lettern, die in einem Raster angeordnet sind. Beim Drücken einer Taste wählt ein Gestänge die richtige Letter aus der Trommel aus, überträgt sie auf eine rotierende Drucktrommel oder den Walzenbock und positioniert sie für den Druck. Diese halbautomatische Übertragung eliminierte die Mühe des manuellen Satzes, behielt aber genug Einfachheit, dass Büropersonal die Maschine ohne umfangreiche Schulung bedienen konnte. Einige Modelle erlaubten dem Bediener, Satzsätze in einer Satzschiene zu setzen und in der Maschine zu fixieren, um sie mehrfach abzudrucken.
Druckverfahren und Ausgabe
Multigraphen boten zwei Hauptdruckmodi. Im Farbband-Modus läuft ein Tuchfarbband über die Lettern und erzeugt einen schreibmaschinähnlichen Eindruck mit scharfen, aber etwas leichteren Zeichen. Im direkten Modus wurden die Lettern selbst von einer kleinen Walze eingefärbt, oder eine vorgefärbte Klischee-Platte wurde befestigt und gegen das Papier geschlagen, was dunklere, professioneller aussehende Ausdrucke erzeugte, die denen einer Druckerpresse ähneln. Die Wahl hing davon ab, ob der Text getippt oder gedruckt aussehen musste und ob das Auflagenvolumen die Vorbereitung einer Platte rechtfertigte.
Die Druckgeschwindigkeit der Maschine betrug etwa 60 bis 120 Abdrücke pro Minute, abhängig vom Modell und Modus, erheblich schneller als manueller Satz, aber langsamer als eine dedizierte Druckerpresse. Mehrere Kopien erforderten das Einführen neuer Blätter in die Maschine oder die Verwendung eines kleinen Tretantriebs oder Motors, um den Walzenbock zwischen den Schlägen zu voranzubringen. Die Papierkapazität war begrenzt, typischerweise einige hundert Blätter auf einmal, was die Multigraph für Auflagen von 50 bis 5.000 Kopien statt Hochvolumendruck geeignet machte.
Multigraphen wurden in den 1950er und 1960er Jahren durch Fotokopiergeräte, Spiritusvervielfältiger und kleine Offsetdruckmaschinen obsolet, da diese billiger und schneller wurden. Der Name selbst stammte aus dem Konzept, mehrere identische Grafiken oder Abdrücke aus einem einzelnen Satz herzustellen und spiegelte die Industriementalität der Ära wider. Erhaltene Maschinen interessieren heute hauptsächlich Historiker der Drucktechnik und Sammler von mechanischen Bürogeräten.