desensibilisieren
Englisch: desensitize
Behandlung der nichtbildlichen Bereiche einer lithografischen Platte oder eines Steins, um sie abweisend gegen Druckfarbe zu machen.
Desensibilisieren: Nichtbildbereiche für Tintenabstoßung vorbereiten
In der lithografischen Druckerei bedeutet Desensibilisieren, die leeren Flächen eines Steins oder einer Metallplatte chemisch zu behandeln, damit sie keine ölbasierte Drucktinte annehmen. Die Bildbereiche bleiben tinttenaufnahmefähig; die Nichtbildbereiche werden tintenabweisend. Diese Trennung ist für das Grundprinzip der Lithografie unverzichtbar: Fett und Wasser vermischen sich nicht.
Auf einem Kalkstein- oder Aluminiumblatt wird das Bild mit einer fettigen Kreide, einem Bleistift oder einer Fotoresist gezeichnet oder belichtet. Alles andere ist blanker Stein oder blankes Metall. Das Desensibilisieren trägt eine dünne Schicht aus Gummi arabicum, Säure oder speziellen Chemikalien (oft Gummi und Salpetersäure gemischt) auf die Nichtbildbereiche auf. Diese Schicht verbindet sich mit dem Untergrund und erzeugt eine hydrophile (wasserliebendes) Oberfläche, die hydrophobe Tinte abweist.
Das Desensibilisieren erfolgt normalerweise nach der Bildbelichtung und vor dem ersten Tinten- und Wassereintrag. Die Chemikalie wird mit einem Schwamm oder einer Walze über die Platte gefahren, oft zusammen mit Wasser. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Das Gummi muss lange genug abbinden, um den Nichtbildbereich während des Druckvorgangs zu schützen, aber nicht so lange, dass es auf dem Bildbereich verhärtet und die Tintenübertragung behindert. Die Säurestärke in der Desensibilisierungslösung variiert je nach Plattentyp und Bilddetail; feine Rasterungen erfordern sanftere Behandlung als kräftige Strichzeichnungen.
Aluminiumplatten, die seit den 1960er Jahren Standard sind, desensibilisieren leichter als Stein, da Aluminiumoxid stark an Gummi- und Säureverbindungen bindet. Stein erfordert aggressivere oder längere Behandlung. Überdesensibilisierung kann dazu führen, dass das Bild selbst Tinte abweist (sogenanntes Schmiermachen), während Unterdesensibilisierung ermöglicht, dass der Nichtbildbereich Tinte annimmt und zu Verschlemmen oder Tonung führt.
Bei modernen vorsensibilisierten Platten ist die Desensibilisierungschemie oft bereits in die Plattenoberfläche eingebaut und wird durch den Waschschritt nach der Belichtung aktiviert. Viele Druckereien führen aber dennoch einen zusätzlichen Desensibilisierungsschritt mit Feuchtungslösung oder Gummi arabicum durch, um die Druckstabilität zu verlängern und die Tonung über lange Druckauflagen hinweg zu kontrollieren.