Autokristall
Englisch: autocryst
Kristall, der aus der gleichen Schmelze erstarrt wie das ihn umgebende Vulkangestein
Autokristall: ein Kristall, der während der Erstarrung von Magma an Ort und Stelle wächst
Ein Autokristall ist ein Mineralkristall, der sich direkt in einer erstarrenden Magmakörper bildet und aus derselben Schmelze erstarrt, die letztendlich zum Wirtsgestein wird. Anders als Xenokristalle, die von außen aus dem Nebengestein in die Magma gelangen, oder Antekristalle, die in einer früheren Kristallisationsphase entstanden sind und später mobilisiert wurden, wächst ein Autokristall gleichzeitig mit seiner Matrix während einer einzigen, ununterbrochenen Abkühlungsphase.
In der Praxis zeigen Autokristalle große Unterschiede in Größe und Ausbildung. Phänokyste, die größeren Kristalle, die in einer Handprobe mit bloßem Auge sichtbar sind, sind häufig autokristall. Kleinere Grundmassekristalle, die sich in den letzten Stadien der Kristallisation bilden, sind ebenfalls per Definition autokristall. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal ist nicht die Größe, sondern die Herkunft: der Kristall und das umgebende Gesteinsmaterial sind aus einer chemisch verwandten Magmakörper abgekühlt, ohne Unterbrechung ihrer thermischen oder chemischen Geschichte.
Erkennung und Bedeutung
Die Unterscheidung von Autokristallen von Xenokristallen oder Antekristallen im Dünnschliff erfordert sorgfältige Beobachtung der Kristallgrenzen, Einschlusssmuster und Zusammensetzungszoning. Ein Autokristall zeigt typischerweise Gleichgewichtstexturen mit der umgebenden Grundmasse und Zusammensetzungskontinuität, die die Abkühlungsgeschichte dieser speziellen Magmaportion widerspiegelt. Xenokristalle hingegen zeigen oft Resorptionsmerkmale oder Reaktionssäume, wo sich der fremde Kristall an die neue Schmelzchemie angepasst hat.
Autokristalle enthalten unmittelbare Informationen über Kristallisationsbedingungen, Abkühlungsraten und Magmazusammensetzung in ihrer endgültigen Form. Petrographen nutzen die Zusammensetzung und Texturen von Autokristallen, um den Druck, die Temperatur und den Flüchtigstoffgehalt der ursprünglichen Magma zu rekonstruieren. Zoningmuster innerhalb von Autokristallen dokumentieren Änderungen der Schmelzzusammensetzung während der Kristallisation und können auf Vermischungsereignisse oder fraktionierte Kristallisation hinweisen.
Der Begriff selbst leitet sich vom Griechischen auto, was selbst oder gleich bedeutet, plus das Suffix cryst für Kristall ab. Seine Verwendung in der Magmatitpetrographie spiegelt das allgemeine Bedürfnis wider, zwischen Kristallen unterschiedlicher Herkunft bei der Interpretation von Vulkangesteinen im Gelände und im Labor zu unterscheiden. Die korrekte Identifizierung autokristaller Phasen ist für die geochemische Modellierung und zum Verständnis der Magmakammerdynamik in Vulkansystemen erforderlich.