Azoque
Englisch: azogue
Silbererze, die zur Behandlung durch Amalgamation mit Quecksilber geeignet sind.
Azogue: Silbererz, das sich durch Amalgamation mit Quecksilber aufarbeiten lässt
Azogue ist Silbererz mit ausreichend hohem Metallgehalt und chemischer Eignung für die Amalgamation, das älteste Industrieverfahren zur Trennung von Silber aus Gestein mit Quecksilber. Der Begriff stammt aus dem spanischen Kolonialbergbau (vom arabischen azogue, das Quecksilber selbst bedeutet) und ist in der technischen Bergbaufachsprache Spaniens und Portugals noch heute verankert. Ein typisches Azogue-Erz enthält gediegen Silber, Silbersulfide oder Silberchloride, Mineralien, die bei Vermischung mit flüssigem Quecksilber bei moderaten Temperaturen stabile Amalgame bilden.
Das Erkennungsmerkmal ist chemische Verträglichkeit mit der Amalgamation. Nicht alle Silbererze kommen in Frage. Erze mit hohem Kupfer-, Blei- oder Eisensulfidgehalt widersetzen sich häufig der Quecksilberbehandlung, da diese Metalle bevorzugt Amalgame bilden, Quecksilber verbrauchen und die Silberausbeute senken. Arsenhaltige oder Antimonhaltige Erze wirken ähnlich störend. Ein verarbeitungsfähiges Azogue-Erz liefert bei ordnungsgemäßem Rösten zur Beseitigung von Sulfiden, Feinstmahlung und Aufarbeitung mit Quecksilber in Pfannen oder Fässern Silberausbeuten von 70 bis 90 Prozent.
Aufarbeitung und praktische Grenzen
Die traditionelle Azogue-Aufarbeitung umfasste das Rösten des Erzes bei 400 bis 600 Grad Celsius, um Sulfide in Oxide umzuwandeln, anschließendes Mahlen auf minus 200er Körnung (etwa 75 Mikrometer). Quecksilber wurde in Chargen zugegeben; Durchmischen und Zeit ermöglichten es dem Silber, in die Quecksilberphase zu gehen und eine Paste zu bilden. Die Paste wurde dann sanft erhitzt, um Quecksilberdampf auszutreiben und eine silberreiche Rückstand zum Verschmelzen zu hinterlassen. Dieses Verfahren funktionierte gut bei Erzen mit Silberwerten zwischen 100 und 2.000 Gramm pro Tonne.
Die Azogue-Klassifizierung geriet im zwanzigsten Jahrhundert außer Gebrauch, als Cyanidlaugerei und Flotation-Konzentration die Amalgamation in den meisten Industriebetrieben ablösten. Der Begriff bleibt jedoch in der spanischen und lateinamerikanischen Bergbauliteratur und in historischen Bergbauunterlagen verankert. Kleinbetriebe und handwerkliche Operationen in abgelegenen Regionen wenden Amalgamation heute noch gelegentlich auf geeignete Erze an, so dass das Konzept für die Dokumentation des informellen Sektors noch relevant ist.
Das Wort selbst offenbart das Verfahren: Es benennt das Erz nach der Behandlung, die es erfährt, ähnlich wie Flotationserz das Erz benennt, das sich flotieren lässt. Diese Benennungskonvention, die Erze nach ihrem metallurgischen Weg eher als nach ihrer Mineralart definiert, war im historischen Bergbau verbreitet, wo praktische Gewinnbarkeit mehr zählte als geologische Systematik.