xenomorph
Englisch: xenomorphic
Kristall ohne charakteristische Eigenform, dessen Gestalt durch benachbarte Körner geprägt wird; ahedrisch.
xenomorph: ein Kristall, geformt von seinen Nachbarn, nicht von sich selbst
Bei der Gesteins- und Erzuntersuchung ist ein xenomorpher Kristall einer, dem seine natürliche geometrische Form fehlt. Statt sauberer Flächen und Kanten, die eine Mineralart auszeichnen, wurde der Kristall während der Abkühlung oder Verformung in die Formen gequetscht und verzerrt, die benachbarte Körner hinterlassen haben. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: xeno (fremd) und morphe (Form). Was man sieht, ist nicht die Vorliebe des Minerals, sondern ein Zeichen der Überbelegung.
Das kommt häufig in groben magmatischen Gesteinen und in Erzen vor, die unter Druck rekristallisiert sind. Wenn geschmolzenes Material langsam abkühlt, wachsen frühe Kristalle frei und bilden ihre eigenen Flächen aus. Später entstehende Kristalle müssen die Lücken füllen, was sie in unregelmäßige Formen zwingt. In metamorphen Gesteinen quetschen Wärme und Spannung Minerale in den vorhandenen Porenraum, wobei ursprüngliche Kristallgrenzen gelöscht werden. Ein xenomorpher Feldspat oder Quarzkristall zeigt gekrümmte oder gezackte Kontakte zu seinen Nachbarn statt flacher Spaltungsflächen.
Das Gegenteil ist euhedral, wenn ein Kristall frei gewachsen ist und seine vollständige, charakteristische Form zeigt. Dazwischen liegt subhedral: ein Kristall mit einigen sichtbaren Flächen, aber anderen, die durch Kontakt abgeflacht sind. Diese drei Stufen, von euhedral über subhedral bis xenomorph, sagen etwas über Abkühlungsgeschwindigkeit, Platzangebot und Spannungsgeschichte aus. Ein Dünnschliff von Granit oder eine polierte Erzprobe unter dem Mikroskop zeigen alle drei Typen nebeneinander.
Die Bestimmung xenomorpher Körner ist wichtig, wenn man Bohrkerne aufnimmt oder Erzgefüge beschreibt. Ein xenomorpher Kristall ist noch an seiner inneren Struktur, Farbe und Härte erkennbar, aber sein Umriss allein führt in die Irre. In Sulfiderzen erscheinen Bleiglanz oder Pyrit oft xenomorph, wenn sie zwischen härteren Silikatkörnern eingequetscht wurden. In magmatischen Intrusionen ist xenomorpher Quarz, der die Räume zwischen euhedralen Feldspäten ausfüllt, normal und zu erwarten.
Der Begriff weist auch auf die mechanische Geschichte des Gesteins hin. Xenomorphe Gefüge in einem ansonsten groben, kristallinen Erzkörper deuten auf Verformung nach der Kristallisation oder eine überbelegte Abkühlungsumgebung hin. Diese Unterscheidung kann wichtig sein, wenn man das Erzverhalten beim Zerkleinern vorhersagt oder die wahrscheinliche Entstiefstufe der Intrusion berücksichtigt.