Anschnittrand
Englisch: bleeding edge
Situation, bei der sich das Bild über den vorgesehenen Rand hinaus erstreckt.
Anschnitt: Druckfarbe, die über die Seite läuft
Beim Offset- und Digitaldruck ist der Anschnitt der Punkt, an dem das bedruckte Bild absichtlich über die Schnittlinie des fertigen Bogens hinausläuft. Die Farbe reicht über die Stelle hinaus, wo die Guillotine schneidet, um sicherzustellen, dass nach dem Schneiden kein weißer Rand übrigbleibt. Dies ist eine bewusste Einrichtung, keine Unregelmäßigkeit, erfordert aber präzise Ausführung.
Eine typische Anschnittmarge beträgt 3 bis 5 Millimeter auf jeder Seite, wo der Schnitt erfolgt. Die Datei selbst muss größer als die endgültige Schnittgröße angelegt sein, wobei der Bildinhalt in diese Anschnittzone hineinreicht. Ohne ausreichenden Anschnitt offenbart eine geringfügige Abweichung beim Schneiden unbedrucktes Papier am Rand und unterbricht die beabsichtigte durchgehende Farbe oder das Muster. Die Druckmaschine bedruckt weiterhin nur den festgelegten Bereich, dieser Bereich ist jedoch übergroß, um Schneidmaschinen-Abweichungen auszugleichen.
Wo der Anschnitt wichtig ist
Der Anschnitt ist entscheidend für farbige Umschläge, Visitenkarten mit farbigen Hintergründen, Schutzumschläge und alle Aufträge, bei denen das Design absichtlich Farbe oder Bild bis zur Schnittkante vorsieht. Er ist weniger relevant für textlastige Arbeiten, bei denen weiße Ränder akzeptabel sind. Bei der Herstellung von Faltschachteln wird der Anschnitt unverzichtbar, wenn Etiketten um Kanten herumlaufen oder wenn die äußere Farbe über Klappen hinweg durchgehend erscheinen muss.
Der Begriff stammt vom visuellen Effekt: Der Bildinhalt scheint über seine erwartete Grenze hinaus auszubluten oder zu sickern. In vordiskriminativen Arbeitsabläufen wurde dies durch den Druck größerer Bögen und deren anschließendes Zuschneiden erreicht. Moderne digitale Dateien kodieren den Anschnitt mathematisch, das Prinzip bleibt aber unverändert. Jede professionelle Druckspezifikation beinhaltet jetzt den Anschnitt als erforderlichen Parameter, üblicherweise zusammen mit Schnittgröße und Falzlinien angegeben.
Häufige Fehler sind das Gestalten ohne Anschnittfläche (erfordert Neuanpassung der Grafik), inkonsistente Anschnitteinstellungen über die Farbseparationen hinweg oder schlechte Kommunikation der Anschnittanforderungen zwischen Designer und Druckerei. Rastergrafiken, die ohne ausreichende Kantenpixel platziert werden, zeigen Pixelierung oder Schwächung an der Anschnittgrenze beim Skalieren zur Flächenfüllung. Vektorgrafiken müssen ausdrücklich in die Anschnittzone hineinreichen; Text und kritische Elemente müssen mindestens um den festgelegten Anschnittbetrag sicher innerhalb der Schnittlinie bleiben.