Bypass-Kanal
Englisch: bypass duct
Bauteil in Lüftungsanlagen zur Lenkung des Luftstroms, das einen alternativen Weg für überschüssige Luft bietet
Bypasskanal: Druckentlastung für übergroße Lüftungsgeräte
Ein Bypasskanal ist eine sekundäre Luftleitung in Heiz- und Kühlsystemen, die überschüssige Zuluft zurück zum Rückluftraum oder zur Rückluftkanalanlage leitet, ohne den konditionierten Raum zu durchströmen. Er funktioniert als Druckentlastungsventil für das Verteilsystem und wird aktiviert, wenn sich der Druckaufbau über die Auslegungsgrenzen hinaus aufbaut oder wenn die Nachfrage nach beheizter oder gekühlter Luft unter die Leistung des Systems fällt.
Der Kanal verbindet typischerweise die Zuluftseite des Lüftungsgeräts nach Filter und Wärmetauscher mit dem Rückluftraum und ist mit einem motorgesteuerten Drosselklappe ausgestattet, die proportional öffnet, um einen konstanten Druckaufbau beizubehalten. Wenn die Außentemperatur dem Sollwert nahekommt oder die Auslastung sinkt, öffnet sich die Klappe leicht, um einen Teil der Zuluft zurückzuleiten. Dies verhindert Druckspitzen, die überschüssige Luft durch Spalten in der Decke, um Türrahmen herum oder durch Regelklappen in untergroßen Anschlussöffnungen pressen würden.
Bypasskanäle sind notwendig in Teilstrom-Lüftsystemen (VAV), die Zonen mit sehr unterschiedlichen Lasten versorgen. Ohne sie würde sich das Lüftungsgerät ständig schnell ein- und ausschalten, sobald Zonenklappen schließen, oder der Lüfter würde gegen einen gefährlich hohen Druckaufbau arbeiten. Die Klappenposition wird durch einen Drucksensor im Zuluftkanal hinter dem letzten Anschlusskasten geregelt; moderne Systeme nutzen elektronische Steuerungen, um einen Sollwert zwischen 1,0 und 1,5 Zoll Wassersäule zu halten.
Übliche Auslegung und Ausfallarten
Unterdimensionierte Bypasskanäle werden zum Engpass und vereiteln ihren Zweck, da sich der Druck trotz offener Klappe aufbaut. Übergroße Kanäle verschwenden Energie und senken die Systemeffizienz durch unnötige Umwälzung, wenn die Klappe geschlossen bleiben sollte. Die motorgesteuerte Klappe ist der kritische Ausfallpunkt: Lager blockieren, Antriebe verlieren Stromversorgung und Verbindungshebel klemmen, oft mit der Folge, dass die Klappe teilweise stecken bleibt, was zu gleichzeitigem Heizen und Kühlen oder unzureichender Konditionierung bei Spitzenlast führt.
Bypasskanäle sind in Wohngebäuden mit einstufigen Systemen seltener, wo der Zuluftlüfter einfach an- und ausschaltet. Sie finden sich in Gewerbebau mit VAV-Terminals und in jeder Anlage, bei der die Leistung des Lüftungsgeräts die Mindestlast deutlich übersteigt. Sie erhöhen Kosten und Komplexität, daher vermeiden Fachplaner sie, wenn einfachere Lösungen wie drehzahlgeregelte Lüfter den Druckaufbau direkt regeln können.