Cazo-Verfahren
Englisch: cazo process
Aelteres Verfahren zur Amalgamation von Metallenerzen durch vorheriges Kochen in einer Salzloesung.
Cazo-Verfahren: Salzsiede-Erzaufbereitung aus dem spanischen Bergbau
Das Cazo-Verfahren ist eine historische metallurgische Technik zur Metallgewinnung aus Erz durch Kochen von zerkleinertem Material in einer Salzlösung, üblicherweise in einem großen Kupfer- oder Eisengefäß namens Cazo (spanisch für Kessel). Die Salzlösung wirkt als Flussmittel und hilft dabei, wertvolle Metalle von Gangart und unedle Mineralien zu lösen und zu trennen. Das Verfahren wurde in Spanien und Spanisch-Amerika entwickelt, besonders zur Behandlung von Silbererzen und kupferhaltigen Materialien während der Kolonialzeit.
In der Praxis wurde feinvermahlenes Erz mit Salzwasser oder Salzlösung gemischt und im Cazo-Gefäß erhitzt. Das Salz senkte den Schmelzpunkt bestimmter metallischer Verbindungen und verbesserte deren Löslichkeit oder Beweglichkeit in der Schmelze. Nach dem Erkalten konnten metallreichige Schlacke oder Niederschlag von Abfallmaterial getrennt werden. Das Verfahren erforderte sorgfältige Temperaturkontrolle: zu wenig Wärme führte dazu, dass das Erz nicht richtig schmolz, während übermäßige Hitze das Gefäß beschädigen oder Brennstoff verschwenden konnte. Der Brennstoffverbrauch war beträchtlich, da große Mengen Holz oder Holzkohle nötig waren, um über Stunden oder Tage hinweg hohe Temperaturen zu halten.
Das Cazo-Verfahren wurde schließlich durch effizientere Methoden verdrängt, besonders durch das Patio-Verfahren (oder Amerikanische Verfahren) für Silbererze, das chemische Amalgamation mit Quecksilber nutzte. Das Patio-Verfahren erwies sich als schneller, erforderte niedrigere Temperaturen und erreichte höhere Ausbeuten. Allerdings blieb das Cazo-Verfahren in einigen abgelegenen oder wirtschaftlich angespannten Betrieben bis ins neunzehnte Jahrhundert in Gebrauch, besonders in Regionen, in denen Quecksilbervorräte begrenzt oder teuer waren.
Das Verfahren veranschaulicht eine breitere Kategorie historischer Erzaufbereitungstechniken, die auf Erhitzen und Flussmittelchemie basierten, bevor Flotation und chemisches Auslaugen zum Standard wurden. Das Verständnis solcher Methoden ist wertvoll für Archäologen und Historiker, die Bergbaustätten, industrielle Entwicklung und den Übergang von der mittelalterlichen zur modernen metallurgischen Praxis untersuchen. Überreste großer Cazo-Gefäße und Schmelzofenstrukturen finden sich noch immer auf verlassenen Bergbaustätten in Spanien und Lateinamerika.