Sesselbahn
Englisch: chair car
Eisenbahnwagen mit verstellbaren Sesseln, für Fahrgäste, die nachts reisen und nicht im Schlafwagen übernachten möchten.
Sesselbahn: nächtliche Sitzplätze besser als Bänke
Ein Sesselbahn-Wagen ist ein Personenwagen für Eisenbahnen, der mit einzelnen verstellbaren Sesseln statt mit Liegen oder Bänken ausgestattet ist und speziell für Nachtfahrten auf Langstrecken ausgelegt wurde. Jeder Sessel lässt sich in eine fast waagerechte Position zurückklappen, sodass ein Fahrgast im Sitzen schlafen kann, ohne den Aufschlag für einen teuren Schlafwagen zu bezahlen. Die Sitze sind üblicherweise weit auseinander angeordnet, damit sie sich vollständig zurückklappen lassen, ohne dass sie den Nachbar beeinträchtigen. Der Wagen wurde normalerweise in einer Klasse zwischen gewöhnlichen Tagewagen und luxuriösen Pullman-Schlafwagen betrieben.
Die Sessel selbst sind das Erkennungsmerkmal: reichlich gepolstert, auf schwenkbaren Sockeln montiert und mit mechanischen oder später hydraulischen Verstellmechanismen ausgestattet, die über Armlehnen bedient werden. Ein typischer Sesselwagen enthielt 40 bis 48 Plätze, während ein Standard-Wagen derselben Länge 80 oder mehr hatte. Die Polsterung war hochwertig, oft aus Mohair oder Wollmischung, und die Gestelle waren aus Hartholz und Stahl gefertigt, um wiederholtes Verstellen über Jahre hinweg auszuhalten.
Sesselwagen wurden in den USA und Kanada von den 1920er bis 1960er Jahren verbreitet eingesetzt, besonders auf Nacht- oder Frühfahrten, wo ein Schlafwagen-Platz nicht durch die Nachfrage gerechtfertigt war, aber Fahrgastkomfort ein Wettbewerbsfaktor war. Die Pennsylvania Railroad, die New York Central und die Canadian Pacific setzten solche Wagen ein. Einige Bahnen boten Sesselwagen mit zusätzlichem Komfort an: Leselampen, ausklappbare Tische oder Betreuung durch Personal. Einige Streamliner hatten Sesselwagen mit Aussichtsfenster oder Glaskuppeln am Ende, um von der zurückgelehnten Position den Ausblick zu nutzen.
Der Rückgang des Personenverkehrs und das Aufkommen von Flugverkehr und Automobilen beseitigten die meiste Nachfrage nach Sesselwagen bis in die 1970er Jahre. Einige heutige Amtrak-Linien führen Wagen mit motorisierten Sitzen mit sich, die eine ähnliche Funktion erfüllen, aber nicht das spezialisierte Design und den Komfort echter Sesselwagen bieten. Der Begriff selbst ist heute überwiegend historisch und lebt in Literatur von Eisenbahn-Enthusiasten und in Fahrplan-Archiven weiter.
Die Wirtschaftlichkeit machte Sesselwagen zu einem Mittelweg: günstiger in Bau und Betrieb als Schlafwagen, die Personal, Bettwäsche und Heizung der Oberbetten unabhängig von der Belegung brauchten, aber komfortabler und ertragsstärker als ein Wagen für Nachtfahrten. Auf Strecken mit niedriger Nachfrage nach Schlafplätzen, wo ein Schlafwagen aber einen Prestigewert hatte, bot der Sesselwagen Fahrgäste und gesellschaftlichen Status ohne den damit verbundenen Aufwand.