Kahlschlag
Englisch: clearcut
Das Waldgebiet, das von Bäumen gerodet wurde.
Kahlschlag: ein Wald, der auf einmal komplett geerntet wird und kahle Fläche hinterlässt
Ein Kahlschlag ist eine Holzernte, bei der praktisch alle Bäume aus einem definierten Gebiet in einer einzigen Operation entfernt werden, wodurch eine offene Fläche mit Stümpfen, Schlagabraum und freiliegendem Boden zurückbleibt. Die entstandene Landschaft ist ihrer Baumkrone beraubt und erstreckt sich typischerweise über einige Hektar bis zu mehreren hundert Hektar, je nach Topografie, Grundstücksgrenzen und behördlichen Vorgaben.
Der Kahlschlag ist die schnellste und kostengünstigste Methode, Holz in großem Maßstab zu ernten. Eine Truppe kann Bäume fällen, sammeln und das verwertbare Holz in einem Arbeitsgang rausbringen, wobei schwere Maschinen wie Vollernter und Skidder zum Einsatz kommen, ohne um stehende Bäume herumfahren zu müssen. Die zurückbleibende Biomasse, Schlagabraum genannt, wird entweder vor Ort belassen zum Verrotten, zu Hackschnitzel oder Biomasse-Brennstoff verarbeitet oder in Abbrenner verbrannt. Auf Hängen steiler als etwa 35 Grad können Betreiber Seilsysteme verwenden, um Holz bergauf zu rauben und damit die Bodenverletzung durch Kettenschlepper zu reduzieren.
Die ökologischen und hydrologischen Folgen sind unmittelbar und gravierend. Das freiliegende Mineralbodenskelett verdichtet sich unter der Maschinenarbeit, was die Wasserdurchlässigkeit herabsetzt und Erosion sowie Gewässerverschlammung fördert. Der Wasseroberflächenabfluss beschleunigt sich. Ohne Baumwurzeln zur Böschungssicherung steigt das Rutschungsrisiko in Berggelände deutlich an. Lebensraum für Wildtiere verschwindet über Nacht. In gemäßigten und borealen Zonen regeneriert sich eine Kahlschlagfläche typischerweise innerhalb von 40 bis 80 Jahren zu gleichaltrigem Wald, entweder natürlich oder durch Wiederaufforstung, aber in der Zwischenzeit ist die Landschaft ökologisch stark vereinfacht.
Behördliche Regelwerke legen Kahlschlaggröße, Pufferzonen an Gewässern und Ernteintervalle fest. In den USA ist der Kahlschlag auf privatem Holzland mit wenigen Einschränkungen erlaubt, aber auf öffentlichen Flächen stark begrenzt und in manchen Jurisdiktionen und Zertifizierungssystemen (wie FSC-Standards) verboten. Viele Regionen verlangen Stehenlasser, also einen Anteil reifer Bäume, die stehen gelassen werden, um Samen, Schatten und Struktur zu bieten. Der Begriff Kahlschlag mit Erhaltungsbäumen beschreibt einen Teilhieb, der wirtschaftliche und ökologische Ziele ausgleichen soll.
Der Kahlschlag ist wirtschaftlich am ehesten zu rechtfertigen auf Flächen, die für industrielle Plantagerotation vorgesehen sind, wo schneller Aufwuchs einer Monokultur das Ziel ist. Er ist umstritten auf öffentlichen Wäldern, bei Altholzreserven und in steilem Gelände, wo die Erholung langsam ist und die Begleitschäden erheblich. Das Wort selbst hat im öffentlichen Diskurs belastete Konnotationen: Holzwirtschaftler verwenden es als neutrale Fachbezeichnung, während Naturschützer es häufig als Kürzel für ökologische Schäden nutzen.