Baumwollkarde
Englisch: cotton card
Ein Streifen Baumwolle, hergestellt mit einer Kardiermaschine
Baumwollkarde: Gekämmte Fasern bereit zum Spinnen
Eine Baumwollkarde ist ein durchgehender Strang aus parallelen Baumwollfasern, üblicherweise 25 bis 50 mm breit, der aus einer Kardiermaschine kommt. Sie ist das Zwischenprodukt zwischen Rohbaumwolle und Garn und entsteht, wenn Fasern auf den Walzen und ebenen Flächen der Maschine gekämmt und in die gleiche Richtung ausgerichtet werden. Die Karde verlässt die Maschine als dünne, netzartige Schicht, die dann verdichtet und zu einer seilartigen Struktur aufgewickelt wird, bereit für die nächste Verarbeitungsstufe.
Die Kardiermaschine selbst nutzt eine Reihe rotierender Zylinder und ebener Flächen, die mit Kratzbespannung versehen sind (feine Drähte, die in Gummi oder Leder eingebettet sind), um verwickelte Baumwollfasern zu trennen, zu reinigen und auszurichten. Während die Baumwolle die Maschine durchläuft, werden kurze Fasern, Samen und Fremdstoffe entfernt, während die längeren Stapelfasern grob parallel ausgerichtet werden. Die entstehende Karde ist erheblich gleichmäßiger und kohärenter als das Rohmaterial, obwohl die Fasern noch nicht miteinander verdreht sind.
Formen und Qualitätsfaktoren
Baumwollkarden unterscheiden sich in Dicke und Textur je nach Einstellung der Kardiermaschine, der Stapellänge der Eingangsbaumwolle und dem gewünschten Ausgangsgewicht. Eine feinere Karde mit gleichmäßigerem Faseraufbau läuft leichter zum Streckaggregat oder Vorgarn-Aggregat, wo weitere Streckung erfolgt. Noppen (kleine Faserknoten), Schleifen (dicke Stellen) und nicht entfernte Fremdstoffe sind Qualitätsmängel, die den Wert der Karde mindern und Probleme in den nachfolgenden Spinnprozessen verursachen.
Der Begriff Karde leitet sich von den drahbespannten Walzen ab, die in der Branche als Karden bezeichnet werden. Das Produkt trägt seinen Namen nach der Maschine, weil es das direkte physische Ergebnis des Kardierens ist. In einigen Mühlen, besonders in Asien, wird die Kardierstufe ganz übersprungen, wenn bereits geöffnete Baumwolle verwendet wird, die schon gereinigt und hochgradig ausgerichtet wurde. Traditionelle Mühlen verlassen sich jedoch weiterhin auf konventionelles Kardieren als kritischen Schritt, der die Garngleichmäßigkeit und Festigkeit bestimmt.
Die richtige Lagerung von Baumwollkarden ist wichtig; sie müssen in einer klimakontrollierten Umgebung mit stabiler relativer Feuchte (üblicherweise 65 Prozent) aufbewahrt werden, um Feuchteunterschiede zu vermeiden, die dazu führen, dass Fasern entweder klebrig oder spröde werden. Eine Baumwollkarde, die zu lange gelagert wurde oder unter schlechten Bedingungen aufbewahrt wurde, kann beim Strecken oder Spinnen an schwachen Stellen reißen, was die Produktionskosten und Ausfallquoten erhöht.