abfärben
Englisch: crock
Farbe durch Reibung von einem Gegenstand auf einen anderen übertragen.
Crocking: Farbabrieb an unerwünschten Stellen
Crocking tritt auf, wenn Farbstoff oder Pigment von einem Textil, Leder oder beschichteten Untergrund durch Reibung oder Abrasion auf ein anderes Material übergeht. Das passiert in der Fertigung, Veredelung, Lagerung, beim Handling oder in der Verwendung durch den Kunden. Die abgelöste Farbe färbt alles, das damit in Kontakt kommt: benachbarte Stoffe in der Rolle, Verpackung, Maschinenwalzen oder im Fall eines Kleidungsstücks die Haut des Trägers oder andere Kleidung. Das ist ein Mangel, der die Produktqualität und Kundenzufriedenheit beeinträchtigt.
Der Mechanismus ist einfach: Lose oder schwach gebundene Farbstoffmoleküle sitzen auf der Fasseroberfläche, statt vollständig in der Polymerkette fixiert zu sein. Feuchtigkeit, Hitze, Seife oder Abrasion lockern sie zusätzlich. Dunkle Farben, besonders tiefe Rot- und Schwarztöne, neigen am meisten zu Crocking, weil zur Erreichung der Sättigung oft höhere Farbstoffmengen erforderlich sind. Reaktivfarbstoffe, Küpenfarbstoffe und Dispersionsfarbstoffe führen alle zu Crocking, wenn der Färbeprozess unvollständig ist oder wenn die abschließenden Fixierungs- und Waschschritte die Farbe nicht ausreichend fixieren.
Prüfung und Vermeidung
Der Crock-Test ist standardisiert (AATCC 8, ISO 105 X12): ein Prüftuch wird unter definiertem Druck über die gefärbte Probe gezogen und mehrmals wiederholt. Die dabei entstehende Verfärbung auf dem Prüftuch wird mit einer Graueskala verglichen. Die Ergebnisse reichen von 1 (stark) bis 5 (keine). Textilhersteller und Färbereien streben bei konsumentenorientierten Produkten Note 4 oder 5 an. Die Vermeidung beinhaltet verlängerte Heißwäsche und Spülung nach dem Färben, Einsatz von Fixiermitteln oder Beizen und Auswahl von Farbstoffen mit besserer Affinität zur verwendeten Faser.
In der Fertigung wird Crocking sichtbar, wenn fertige Waren aufgerollt, gefaltet oder gestapelt werden. Schlechte Lagerlüftung und hohe Luftfeuchte verschärfen das Problem. Einige Spinner und Weber tragen Anti-Crock-Ausrüstungen auf: dazu zählen Wachs, Harz- oder Silikonbeschichtungen, die die Oberfläche vorübergehend versiegeln. Sie müssen robust genug sein, um Handling zu überstehen, aber beim ersten Waschen durch den Kunden entfernt werden können.
Der Begriff Crock hat ältere textile Wurzeln, möglicherweise vom Keramikbegriff für einen Steintopf oder vom Sinn des Abreibens. Im modernen Handel ist Crocking ein eigenständiger Qualitätsmangel in Vereinbarungen und ein Grund für Reklamationen oder Gutschriften. Es bleibt einer der häufigsten Kritikpunkte in Färbereien, weil es Präzision über mehrere Prozessschritte verlangt: Faservorbereitung, Farbstoffwahl, Temperatur- und Zeitkontrolle sowie Nachbehandlung.