D2M
Abkürzung für Direct-to-Mobile (direkt auf Smartphone); eine Technologie oder eine Verbindung, die eine dieser Technologien nutzt.
D2M: Rundfunksignale direkt aufs Handy
D2M (Direct-to-Mobile) ist ein Funkübertragungssystem, das Rundfunkinhalte wie Fernsehen oder Radio direkt auf mobile Geräte überträgt, ohne auf Mobilfunknetze angewiesen zu sein. Ein in das Handy eingebauter oder angeschlossener D2M-Empfänger empfängt Signale auf dedizierten Spektralbändern, typischerweise im UHF- oder VHF-Bereich, statt Mobilfunkdaten zu verbrauchen. Diese Architektur entlastet überlastete Mobilfunknetze und ermöglicht es Rundfunkanbietern, große Zuschauermengen gleichzeitig ohne Datenkosten pro Nutzer zu erreichen.
Die Technologie nutzt je nach Region und Anwendung verschiedene Standards. In Europa und Teilen Asiens werden DVB-H (Digital Video Broadcast-Handheld) und später DVB-T2 Lite eingesetzt; in den USA integriert der ATSC-3.0-Standard (NextGen TV) D2M-Funktionen. Einige Implementierungen verwenden proprietäre oder regionale Standards. Die Empfängerhardware muss den jeweiligen Standard unterstützen; frühe Systeme erforderten einen dedizierten externen Dongle oder einen internen Chipset, während moderne Standards eine Integration in Standard-Mobil-Prozessoren anstreben.
D2M funktioniert anders als traditionelle Mobilfunk-Broadcast-Lösungen. Statt dass ein Mobilfunknetzbetreiber Inhalte über 4G oder 5G verteilt, sendet ein Rundfunkanbieter ein einzelnes Signal, das alle kompatiblen Empfänger in Reichweite gleichzeitig empfangen können. Dies ist effizient für breitbandige Inhalte wie Video oder hochwertige Audio und funktioniert in Bereichen mit schwachem Mobilfunkempfang. Der Nachteil ist, dass D2M-Geräte keine Wiederholung verlorener Pakete anfordern können wie bei zellulärem Unicast; der Empfang hängt von der Signalstärke und den Ausbreitungseigenschaften ab.
Bereitstellungsherausforderungen haben die D2M-Einführung trotz technischer Vorteile begrenzt. Die Technologie erfordert, dass Rundfunkanbieter in neue Übertragungsinfrastruktur investieren, Mobil-Hersteller Chipsets integrieren und Behörden dediziertes Spektrum zuweisen. In vielen Märkten haben das bestehende Mobilfunkökosystem und Streaming-Dienste D2M wirtschaftlich unrentabel gemacht. Die USA starteten ATSC-3.0-Feldversuche in den 2020er Jahren, ein flächendeckender Ausbau ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Einige Regionen wie Teile Südkoreas haben D2M-Systeme mit größerem Erfolg implementiert, oft durch Regulierung oder Subventionierung.
Das Akronym D2M wird manchmal locker für jedes System verwendet, das Rundfunkinhalte auf mobile Geräte überbringt, aber der Begriff ist am treffendsten für Systeme, die dediziertes terrestrisches Rundfunkspektrum nutzen und nicht auf Mobilfunknetze angewiesen sind. Notfallbenachrichtigungssysteme und öffentliche Rundfunkanstalten zeigen erneuerte Interesse an D2M als zuverlässiger Verteilmechanismus unabhängig von Mobilfunkinfrastruktur.