Tagestollen
Englisch: day level
Ein Stollen, der von der Oberfläche aus getrieben wird.
Tagestollen: horizontaler Stollenbau mit Tageslicht
Ein Tagestollen ist ein horizontaler oder fast horizontaler Stollen, der von der Oberfläche in einen Berghang getrieben wird und Bergleuten sowie Material ermöglicht, ohne Schachtfahrt hinein und hinaus zu gelangen. Im Gegensatz zu einem senkrechten Schacht, der Fördermaschinen erfordert, nutzt ein Tagestollen die Schwerkraft, um Erz und Bergematerial bergab zu befördern, und Arbeiter können eigenständig hinaus gehen oder fahren. Diese einfache Geometrie machte Tagestollen vor der Standardisierung mechanischer Förderung zur Normalform für flache Lagerstätten.
Der Name spiegelt die praktische Realität: Bergleute fahren bei Tagesanbruch ein und fahren vor Einbruch der Dunkelheit aus, sie bewegen sich entlang des Stollens, statt in Körben auf und ab gelassen zu werden. Ein echter Tagestollen verläuft nahezu horizontal, mit leichtem Gefälle (typischerweise 1:10 bis 1:20), um Entwässerung und Materialfluss zu unterstützen. Die Stollenmundung oder der Eingang liegt an der Oberfläche, wo der Bergbau die Flanke trifft. Fällt die Lagerstätte tiefer in den Berg ab, können mehrere Tagestollen auf verschiedenen Höhenlagen getrieben werden, jeder eine Sohle des Bergwerks, wobei Erz aus höheren Sohlen unterwegs nach draußen durch tiefere Sohlen fließt.
Warum Tagestollen noch heute Bestand haben
Auch in modernen Bergwerken mit tiefen Schächten bleiben Tagestollen wertvoll für Bewetterung, Notausgang und Massenerztransport. Ein Tagestollen kostet weniger Aufwand als ein Schacht und vermeidet das Ausfallrisiko von Fördermaschinen. In steilem Gelände kann ein einzelner langer Tagestollen eine Lagerstätte erreichen, für die andernfalls zwei oder drei Schächte auf verschiedenen Höhenlagen notwendig wären. Der Nachteil ist die Länge: ein Tagestollen zu einer Lagerstätte 150 Meter tief und 400 Meter weit bergeinwärts wird selbst 400 Meter Tunnelbau sein und erfordert erhebliche Zimmerung und Instandhaltung.
Tagestollen funktionieren am besten in hartem Gestein, wo der Untergrund ohne ständige Stützung stabil bleibt. In weichem Untergrund oder zerklüftetem Gestein erfordern die ungestützte Spannweite und das Gewicht des Hangenden mehr Holz, Stutzenlager und regelmäßige Kontrolle. Wasser ist ein weiteres Problem: ein Tagestollen unter Grundwasserspiegel braucht ständiges Pumpen oder eine Entwässerungsgrube am unteren Ende. Die Neigung des Berghangs und die Tiefe der Lagerstätte bestimmen, ob ein Tagestollen wirtschaftlich sinnvoll ist oder gegenüber einem Schachtabteufen unrentabel wird.
Der Name hat sich trotz des modernen Bergbaus mit mechanisierter Förderung bewahrt, weil der Unterschied betrieblich real bleibt. Ein Schachtbergwerk und ein Tagestollenbergwerk unterscheiden sich in Layout, Transport, Bewetterung und Fluchtrouten. Im Steinkohlebergbau sind Tagestollen, die in Berghänge getrieben werden, in kleineren Betrieben und wo die Topografie es begünstigt, noch verbreitet. Im Festgesteinsbergbau erscheinen sie neben Schächten in derselben Lagerstätte, jeder für einen anderen Teil des Erzkörpers oder eine andere Abbauphase.