Dossil
Englisch: dossil
Eine Rolle aus Stoff zum Abwischen der Oberfläche einer Kupferdruckplatte, wobei die Tinte in den gravierten Linien verbleibt.
Dossil: Tuch-Wischpad zum Reinigen von Tiefdruckplatten
Ein Dossil ist ein fest gerolltes Pad aus Leinen oder Baumwolltuch, typischerweise 5 bis 10 cm im Durchmesser, das beim Kupferstich- und Tiefdruckverfahren verwendet wird, um überschüssige Farbe von der Plattenoberfläche zu wischen und dabei die Farbe in den vertieften Linien und Punkten zu bewahren. Die Rolle wird in der Hand oder Handfläche gehalten und in kontrollierter, gerichteter Bewegung über die erwärmte Kupfer- oder Stahloberfläche geführt, wodurch auf den flacheren Flächen ein dünner, gleichmäßiger Farbfilm entsteht, während die gravierten Vertiefungen ihre volle Farbmenge behalten.
Das Tuch selbst spielt eine Rolle. Baumwollflöckchen, gestärkte Baumwolle und Leinen sind traditionell; moderne Drucker verwenden manchmal vorgerollte Muslins oder spezielle Wischrollen. Zu weiches Tuch entfernt die Farbe zu aggressiv; Tuch das zu steif oder unzureichend gerollt ist, wird ungleichmäßig oder hinterlässt Streifen. Das Dossil muss fest genug sein, um zu gleiten, ohne zu reißen, und geschmeidig genug, um der Plattenform zu folgen, ohne zu kratzen.
Ein Drucker arbeitet typischerweise mit mehreren Dossils nacheinander während eines Drucklaufs. Der erste Durchgang mit einer frischen Rolle entfernt die Hauptmenge der Oberflächenfarbe; nachfolgende Durchgänge mit leicht abgenutzten Dossils verfeinern den Farbfilm und verringern Rückstände. Der Zeitpunkt ist entscheidend: eine zu kalte Platte hält Farbe zu dick und verschmutzt das Dossil; eine überhitzte Platte kann dazu führen, dass das Tuch raucht oder klebt. Viele Drucker halten ein Dossil leicht mit Terpentin oder Testbenzin angefeuchtet, um zu verhindern, dass Farbe auf dem Tuch selbst eintrocknet.
Die Herkunft des Begriffs bleibt in der Druckliteratur unklar, obwohl "Dossil" oder "Dossal" seit mindestens dem siebzehnten Jahrhundert in medizinischen Kontexten für Wattepads verwendet wurde.
Seine Erscheinung in der Druckerterminologie deutet darauf hin, dass der Begriff einfach aus der chirurgischen Versorgungsterminologie übernommen wurde. Die Praxis des manuellen Wischens von Tiefdruckplatten geht auf die frühesten Radier- und Kupferstich-Werkstätten des sechzehnten Jahrhunderts zurück, aber der Begriff Dossil wurde erst nach der Mechanisierung anderer Druckverfahren etabliert, als das manuelle Wischen eine der wenigen verbleibenden manuellen Feintechniken war.Der Tiefdruckprozess kann in der Wischphase nicht vollständig mechanisiert werden; auch bei industriellen Auflagen bleibt das Dossil das Standard-Werkzeug. Bei zeitgenössischen Praktiken, bei denen Fotopolymer-Platten oder digitale Tiefdrucktechniken Kupferplatten ersetzen, wird das Wischen oft eliminiert oder automatisiert, aber traditionelle Druckgrafiker betrachten die Dossil-Arbeit immer noch als charakteristische Fertigkeit, die handgezogene Abzüge von Produktionsläufen unterscheidet.