Schilderpresse
Englisch: turtle-press
Eine Druckpresse, bei der ein Schild (eine gekrümmte Platte) verwendet wurde.
Turtle-Press: viktorianische Plattendruckmaschine mit gewölbtem Druckbett
Eine Turtle-Press war eine Plattendruckmaschine mit einem gewölbten, schildkrötenrückenschalenförmigen Metallbett, das unter der Platte schaukeln oder kippen konnte. Die Wölbung ermöglichte es, den Druck schrittweise über das Papier zu verteilen, statt ihn auf einmal aufzubringen. Das reduzierte die Stoßbelastung auf den Mechanismus und erzeugte eine gleichmäßigere Tintenübertragung bei kleineren Satzformen. Das Bett selbst war das charakteristische Merkmal: eine Gusseisenplatte mit einem sanften, tonnenförmigen Profil statt einer ebenen Fläche.
Diese Maschinen waren während der Mitte bis zum späten 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Akzidenzdruckerei und für kleinformatige Arbeiten verbreitet. Das gewölbte Design war besonders wertvoll beim Druck auf stärkere Materialien, Karton und Stoffe, die sorgfältige Behandlung erforderten. Handgefütterte Modelle waren vorherrschend, obwohl einige später mit einfachen Tretern oder Dampfantrieben ausgestattet wurden. Das Bett hatte typischerweise eine Breite zwischen 12 und 24 Zoll und war für Visitenkarten, Etiketten und kleine Plakate geeignet.
Wie die Wölbung den Unterschied machte
Eine flache Platte, die auf ein ebenes Bett trifft, erzeugt einen plötzlichen, heftigen Druck über die ganze Form gleichzeitig. Das gewölbte Bett der Turtle-Press verwandelte dies in eine Rollbewegung: Die Platte kam progressiv von einer Seite zur anderen mit dem Papier in Kontakt, ähnlich wie die Wirkungsweise einer Zylinderpresse, aber durch Geometrie statt durch Rotation erreicht. Diese sanftere Wirkungsweise bedeutete weniger Rückprall, bessere Tintenverteilung auf unebenen Oberflächen und weniger Verschleiß an der Schrift.
Der Begriff 'Turtle' stammt von der Ähnlichkeit des gewölbten Betts mit einem Schildkrötenpanzer. Die Maschine wurde durch die 1920er Jahre hinweg obsolet, als zylindrische und automatisierte Plattenmaschinen mit ebenen, starren Betten zum Standard wurden. Bessere Materialienwissenschaft und Konstruktion machten schockdämpfende Mechanismen weniger notwendig, und das ebene Bett ermöglichte schnelleres Rüsten und zuverlässigere Registergenauigkeit. Nur wenige sind heute noch in aktiver Nutzung erhalten.