E100
Ein Kraftfahrzeugkraftstoff auf Basis von etwa 100% Ethanol für Fahrzeuge mit Alkoholverbrennung.
E100: nahezu reiner Ethanol-Kraftstoff für spezialisierte Motoren
E100 ist ein Kraftstoff, der aus etwa 95 bis 100 Prozent Ethanol im Volumen besteht, der Rest ist Denaturierungsmittel und Wasser mit einem Gehalt unter 1 Prozent. Im Gegensatz zu den Ethanolmischungen an den meisten Tankstellen ist E100 zu aggressiv für herkömmliche Benzinmotoren und erfordert speziell dafür konstruierte Kraftstoffsysteme, höhere Verdichtungsverhältnisse und kompatible Dichtungen und Dichtungsringe im gesamten Kraftstoffförderweg.
Die "100" in der Bezeichnung bezieht sich auf den angestrebten theoretischen Ethanolgehalt, wobei echter 100-prozentiger Kraftstoff-Ethanol hygroskopisch ist und weder praktisch hergestellt noch gelagert werden kann. Kommerzieller E100 enthält normalerweise 98 bis 99 Prozent Ethanol, mit einer kleinen Menge Denaturierungsmittel wie Erdölnaphtha, um den menschlichen Konsum zu verhindern und die Kaltstarteigenschaften zu verbessern. Der Wassergehalt muss sorgfältig kontrolliert werden, da Ethanol Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt und oberhalb bestimmter Schwellwerte eine Phasentrennung auftritt, die den Kraftstoff unbrauchbar macht.
Fahrzeuge, die für E100 ausgelegt sind, wurden hauptsächlich in Brasilien hergestellt, wo die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr erheblich ist und die staatliche Kraftstoffpolitik seit den 1970er Jahren Flex-Fuel- und dedizierte Ethanolfahrzeuge unterstützt. Diese Motoren laufen heißer und erfordern höhere Kraftstoffflussraten, da Ethanol pro Liter etwa 34 Prozent weniger Energie enthält als Benzin. Einspritzdüsen, Kraftstoffpumpen und Sensorkalibrierungen müssen alle auf diese Unterschiede abgestimmt sein.
Kaltstart- und Korrosionsprobleme
E100 hat eine höhere Verdampfungswärme als Benzin, was die Kühleffizienz verbessert, aber das Kaltstart in gemäßigten Klimazonen erschwert. Viele E100-Fahrzeuge haben beheizte Kraftstoffsysteme oder Doppeltankausführungen, die es ermöglichen, in den Wintermonaten eine kleine Menge Benzin zum Starten zu nutzen. Korrosion von Stahlkraftstofftanks ist auch ein echtes Problem; Edelstahl- oder epoxidbeschichtete Tanks sind bei E100-fähigen Fahrzeugen Standard, da die hygroskopische Natur von Ethanol und seine leichte Säure ungeschützte Metalle angreifen.
E100 bleibt außerhalb Brasiliens und einiger weniger anderer ethanolproduzierender Länder ein Nischenprodukt. Seine Verwendung hängt ganz von der speziellen Fahrzeugkonstruktion und der Verfügbarkeit einer entsprechenden Infrastruktur ab. Die Betankung eines Standard-Fahrzeugs mit E100 führt zu schnellen Kraftstoffsystemausfällen, daher sind strikte Zapfkontroll- und Kennzeichnungsvorgaben überall dort notwendig, wo E100-Zapfsäulen vorhanden sind.