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Kfz-Technik

ESP

Abkürzung für elektronisches Stabilitätsprogramm.

ESP: elektronische Bremseingriffe zur Vermeidung gefährlicher Schleudern

Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) ist ein computergestütztes System, das bei erkanntem Schleuderprozess oder Traktionsverlust gezielt Bremsen an einzelnen Rädern betätigt. Das System nutzt Beschleunigungssensoren, Giersensoren und Raddrehzahlsensoren, um die tatsächliche Fahrzeugbewegung gegen die beabsichtigte Fahrtrichtung zu überwachen. Bei Abweichung werden Bremsaktoren im Millisekundenbereich angesteuert, um die Fahrbahn wieder zu korrigieren. Es ersetzt nicht die Fahrerhandlung, sondern greift nur ein, wenn das Fahrzeugverhalten stark von den durch Lenkung und Gasbefehle erwarteten Werten abweicht.

Ein ESP-System greift beim Notbremsen auf rutschigem Untergrund, beim Kurvenfahren an der Griffgrenze oder bei abrupten Spurwechseln ein, bei denen Lastwechsel Räder heben können. Bei Fahrzeugen mit Frontantrieb wird typischerweise das Motormoment reduziert und das innere Hinterrad gebremst, um Untersteuern (Geradeausrutschen) zu verhindern. Bei Heckantrieb wird das äußere Vorderrad gebremst und die Gasbefehle reduziert, um Übersteuern (Fishtail) zu unterbinden. Der Eingriff erfolgt im Zehntelsekundenbereich, deutlich schneller als menschliche Reaktionszeit.

Der Begriff ESP stammt von Bosch aus den Mittneunzigerjahren. Mercedes-Benz, BMW und Audi übernahmen ihn als Markenname. Andere Hersteller verwenden unterschiedliche Bezeichnungen: General Motors nennt es StabiliTrak, Ford verwendet AdvanceTrac, Toyota nutzt Vehicle Stability Control (VSC). In der Funktionsweise arbeiten alle Varianten gleich und haben sich auf ähnliche Sensorpakete und Regelalgorithmen geeinigt. Die meisten modernen Systeme integrieren zusätzlich ein Kippschutz-Subsystem, das Frühwarnsignale erkennt und korrigierende Bremseingriffe vornimmt, bevor der Schwerpunkt außerhalb der Radaufstandsfläche liegt.

In der Europäischen Union wurde ESP 2014 zur Pflichtausrüstung, in den USA 2012, obwohl die Systeme bei Luxusfahrzeugen bereits ein Jahrzehnt zuvor einzogen. Unfallstatistiken zeigen, dass die Systeme Single-Vehicle-Unfälle durch Kontrollverlust um etwa 25 bis 35 Prozent reduzieren, auf trockenen und nassen Fahrbahnen. Die Wirksamkeit hängt stark von der Reifenhaftung ab; auf Eis oder tiefem Schnee kann selbst ESP Rutscher nicht verhindern, wenn die Reibung zu gering ist.

Bei Fahrzeugen mit erheblichem Verschleiß oder Beschädigungen können fehlerhafte Raddrehzahlsensoren oder teilweise blockierte Bremsbeläge zu Systemfehlern oder Fehlschaltungen führen. Fahrer deaktivieren ESP manchmal bei Rallyefahrten oder im tiefen Schnee, wo die vorsichtige Systemreaktion eher ein Nachteil wird als ein Sicherheitsgewinn. Die meisten Systeme erlauben nur eine zeitlich begrenzte Abschaltung, die sich beim nächsten Motorstart automatisch wieder aktiviert.

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