Gold box
Englisch: gold box
Ein Gerät zum Umleiten eines eingehenden Anrufs auf eine zweite Telefonleitung.
Goldbox: Der Umleiter des Phreakers
Eine Goldbox ist ein elektronisches Gerät, das Schwachstellen in Telefonvermittlungen ausnutzt, um einen eingehenden Anruf ohne Wissen des Anrufers auf eine andere Leitung umzuleiten. Sie wurde hauptsächlich in den 1970er und 1980er Jahren von Phreakern verwendet, Hobbyisten, die Telefonnetze auf Sicherheitslücken untersuchten. Das Gerät besteht typischerweise aus einem Tongenerator und Schaltkreisen, die spezifische Audiofrequenzen im Telefonsystem erkennen und dann die Anrufroutung manipulieren, bevor die Verbindung vollständig aufgebaut ist.
Die Grundfunktion beruht auf dem Erkennen und Nachbilden des 2600-Hz-Tons, den das Bell System intern zur Signalisierung von freien Trunkverbindungen nutzte. Durch die Erzeugung dieser Frequenz zum richtigen Zeitpunkt während des Anrufaufbaus konnte ein Benutzer die Vermittlungsausrüstung täuschen, die Verbindung zu unterbrechen und die Leitung als verfügbar für eine Umleitung zu behandeln. Dies ermöglichte es, Anrufe zu einem vom Phreaker gewählten Ziel umzuleiten oder Konferenzschaltungen ohne Standard-Abrechnungsmechanismen zu etablieren.
Technischer Betrieb und Varianten
Eine einfache Goldbox enthielt einen Tonoszillator, typischerweise aufgebaut um einen 555-Timer oder ähnliche Komponenten, abgestimmt auf die Ausgabe von 2600 Hz mit ausreichender Amplitude, um von Telefonleitungssensoren erkannt zu werden. Ausgefeiltere Versionen verfügten über Multi-Ton-Funktionalität und ermöglichten es Benutzern, zusätzliche Frequenzen einzugeben, die in verschiedenen Phasen des Signalisierungssystems 1 des Bell Systems verwendet wurden. Einige Ausführungen integrierten Wähltastaturen mit Mehrfrequenztönen (DTMF), um Signale über die Leitung zu senden, sobald der Anfangszugang gewonnen war. Die physische Form variierte stark, von speziell angefertigten Boxen bis zu modifizierten Telefonhörern oder tragbaren Tongeneratoren.
Der Name "Goldbox" stammte nicht vom Aussehen oder Material des Geräts, sondern war Jargon in der Phreaker-Gemeinschaft, wobei verschiedene Farbnamen unterschiedliche Exploitationsmethoden und ihre zugehörige Ausrüstung bezeichneten. Die Blue Box, eine andere bekannte Variante, funktionierte nach ähnlichen Prinzipien, zielte aber auf andere Signalisierungsfrequenzen ab. Diese Namenskonvention spiegelte die Untergrundkultur rund um diese Geräte wider und bot eine einfache Gedächtnisstütze zur Unterscheidung zwischen verschiedenen Angriffsansätzen.
Goldboxen wurden Ende der 1980er Jahre obsolet, als Telefonunternehmen analoge Vermittlungssysteme durch digitale Netze ersetzten, die sich nicht mehr auf In-Band-Signalisierungstöne stützten. Die moderne Telefoninfrastruktur trennt Steuersignale von Anrufaudio durch Out-of-Band-Protokolle, was eine tonbasierte Ausnutzung technisch unmöglich macht. Die Geräte sind heute historische Artefakte, hauptsächlich konserviert in der Computergeschichte und in Sicherheitsstudien zur Telekommunikation als frühe Beispiele der Entdeckung von Netzwerkschwachstellen.