Tiefdruckverfahren
Englisch: intaglio
Druckverfahren, bei dem die Farbe auf die vertieften Teile der Druckform aufgetragen wird.
Tiefdruckverfahren: Farbe sitzt in vertieften Bereichen
Tiefdruckverfahren sind eine Familie von Druckprozessen, bei denen das Motiv unter der Oberfläche der Druckplatte liegt. Die Nichtbildbereiche werden sauber gewischt, nur die vertieften Bereiche halten Farbe, die dann unter Druck auf das Papier übertragen wird. Dies kehrt die Logik des Hochdrucks um, bei dem erhabene Flächen Farbe tragen. Der Begriff kommt vom italienischen Wort für gravieren oder einschneiden.
Die wichtigsten kommerziellen Tiefdruckverfahren sind Rotationsgravur (Rotogravur für Hochgeschwindigkeitsläufe), Ätzen und Stahlstich. Bei der Rotationsgravur werden tausende winziger Näpfchen mit Säure oder Laser in einen Kupfer- oder Chromzylinder geätzt; der Zylinder läuft durch ein Farbbad, eine Rakel wischt die Oberfläche, und Papier, das gegen den Zylinder gepresst wird, nimmt die Farbe aus den Näpfchen auf. Rotationsgravur dominiert Langzeitaufträge in Verpackungs- und Publikationsdruck, weil das Verfahren konsistente Tonabstufungen erreicht und variable Farbviskosität gut bewältigt. Beim Ätzen beißt Säure Linien in Kupfer- oder Stahlplatten; beim Stahlstich schneiden Stichel oder Fräswerkzeuge Linien mechanisch ein.
Tiefe und Breite der Vertiefungen steuern die Farbmenge und damit den Bildton. Tiefere Näpfchen halten mehr Farbe und drucken dunkler. Das ist das Kennzeichen des Tiefdrucks: satte, kräftige Farben und feines Detail. Eine Druckmaschine muss 500 bis 1500 Pfund pro Inch Druck aufwenden, um das Papier in die Näpfchen zu pressen und die Farbe zu übertragen. Spezialpapier mit leichter Feuchte verbessert die Farbaufnahme, indem es die Oberfläche leicht aufweicht und dem Papier hilft, sich der Näpfchenform anzupassen.
Platz im modernen Druckwesen
Tiefdruckverfahren haben bei allgemeinen kommerziellen Arbeiten gegenüber Offset- und Digitaldruck großen Boden verloren, dominieren aber in speziellen Bereichen: Flexible Verpackungen, Tapeten, Sicherheitsdruck (Banknoten und Marken) und hochwertige Kunstdrucke. Das Verfahren glänzt mit Metallicfarben, Fluoreszenzfarben und Spezialfarben, weil das vertiefte Näpfchen die Farbauftragung natürlich dosiert und kontrolliert. Rotationsgravurzylinder sind teuer und dauern lange in der Herstellung, so dass Auflagen unter 100.000 Exemplaren die Werkzeugkosten selten rechtfertigen.
Ein häufiges Problem beim Tiefdruckverfahren ist Farbunterversorgung, wenn die Rakel springt oder vibriert und einige Näpfchen teilweise leer bleiben, was ungleichmäßigen Ton verursacht. Ein weiteres ist die Ansammlung von getrockneter Farbe an der Rakelkante, die regelmäßig abgekratzt werden muss. Da die Rakel verschleißt und die Zylinderoberfläche durch harte Partikel beschädigt werden kann, erfordert die Qualitätskontrolle häufige mikroskopische Untersuchung des Zylinderzustands und regelmäßige Rakelwartung.