Knitting
Englisch: knitting
Oberleitung für die elektrifizierte Eisenbahn, OHLE.
Strickerei: verworrene Fahrleitung über dem Gleis
Strickerei beschreibt die Fahrleitung (OHLE), die Elektrozüge und Straßenbahnen mit Strom versorgt, speziell wenn die Drähte verdreht, gekreuzt oder durchgehangen sind, sodass sie wie verknotetes Garn aussehen. Der Begriff ist Eisenbahnerjargon, verwendet von Lokführern, Wartungsteams und Fahrdienstleitern zur Beschreibung sowohl der Hardware selbst als auch des Durcheinanders, das entsteht, wenn Fahrleitungen, Tragseile und Hänger nicht sauber in ihrer Kettenlinie liegen. Ein Zug kann unter Strickerei nicht sicher fahren, weil der Stromabnehmer (der Kollektorarm auf dem Dach) keinen ordentlichen elektrischen Kontakt halten kann.
Das eigentliche Fahrleitungssystem besteht aus mehreren Komponenten, die zusammen funktionieren. Das Tragseil trägt die mechanische Last und hängt zwischen Metallmasten, die typischerweise 40 bis 60 Meter auseinander liegen. Darunter sitzt die Fahrleitung, die auf konstanter Höhe läuft und der eigentliche Leiter ist, den der Stromabnehmer berührt. Hänger verbinden die Fahrleitung in regelmäßigen Abständen, meist alle 1,5 bis 2 Meter, mit dem Tragseil. Bei manchen Strecken läuft ein Hilfstragseil oben, um das Durchhängen des Tragseils zu verringern. Alle diese Elemente müssen genaue Geometrie einhalten: die Fahrleitungshöhe ist entscheidend, üblicherweise zwischen 5 und 6,5 Metern je nach Bahnsystem, und die seitliche Abweichung muss im Millimeterbereich bleiben.
Strickerei entsteht aus mehreren Gründen. Starker Wind kann Fahrleitungen ineinander blasen, besonders bei langen ungestützten Spannfeldern oder bei Gleiskurven. Gerissene Hänger lassen Fahrleitungsabschnitte ungestützt, worauf sie durchhängen und sich in das Tragseil verwickeln. Eisansatz erhöht das Gewicht und verändert die Spannungsverhältnisse. Verschleiß der Fahrleitung (die Verschleißteile sind und von Stromabnehmermarken gefurcht werden) kann dazu führen, dass sie seitwärts rutscht. Fehlerhafte Einstellung bei der Montage oder nach Wartungen sind häufige Ursachen; die Fahrleitung muss auf exakt der richtigen Höhe und mit dem richtigen Versatz zum Tragseil sitzen, oder sie wird sich im Laufe der Zeit in Kontakt treiben.
Erkennung und Reaktion
Lokführer bemerken Strickerei sofort, weil elektrisches Lichtbogenbilden oder Kontaktverlust die Warnsysteme am Zug auslöst. Wartungsteams nutzen Sichtprüfung vom Gleis aus und manchmal Fotos von fahrenden Zügen, um Problemstellen zu erkennen. Sobald Strickerei festgestellt wird, muss die Strecke für den Verkehr gesperrt werden. Die Reparatur beinhaltet Neueinspannung der Drähte zur Wiederherstellung der richtigen Geometrie, den Austausch beschädigter Hänger oder Fahrleitungsabschnitte oder im schlimmsten Fall das Entfernen von Eislasten oder Verschmutzung, die die Verwicklung ausgelöst hat. Moderne Fahrleitungssysteme verfügen manchmal über Spannungsüberwachungsgeräte an den Tragkonstruktionen zur Früherkennung geometrischer Abweichungen.
Der Jargonterm 'Strickerei' ist besonders im britischen und europäischen Eisenbahnbetrieb verbreitet, wo Fahrleitungen standard sind. Er vermittelt jedem Eisenbahner sofort, dass die Fahrleitung beeinträchtigt und unsicher ist, ohne dass technischer Fachjargon nötig ist. Der Begriff spiegelt die visuelle Realität: Drähte, die parallel und sauber laufen sollten, sehen stattdessen hoffnungslos verknotet aus.