Mi-Parti
Englisch: mi-parti
Vertikal in deutlich unterschiedliche oder gemusterte Hälften geteilt; Teilung von oben nach unten.
mi-parti: Stoff mit vertikaler Mittelteilung in zwei Farben
Ein mi-parti-Stoff wird so gewebt oder veredelt, dass die senkrechte Mittellinie zwei unterschiedliche Farben, Muster oder Strukturen teilt. Die Teilung verläuft über die gesamte Länge des Stoffes von Kante zu Kante und erzeugt eine symmetrische linke und rechte Hälfte. Dies ist eine bewusste Gestaltungsentscheidung und kein Fehler im Stoff.
Die Technik kommt am häufigsten beim Jacquard-Weben vor, wo der Webstuhl so programmiert werden kann, dass auf jeder Seite einer Mittellinie unterschiedlich gefärbte Kett- oder Schussfäden verwendet werden. Mi-parti im Leinwandbindung ist ebenfalls möglich: Eine Hälfte kann vor der Veredlung in einer Farbe gefärbt werden, während die andere Hälfte anders gefärbt wird, oder zwei getrennt gewebte Bahnen werden in der Mitte zusammengenäht. Der Effekt kann auch durch symmetrisch aufgetragene Siebdruck- oder Atzverfahren erreicht werden.
Historische und zeitgenössische Verwendung
Mi-parti gewann in der mittelalterlichen und Renaissance-Schneiderei an Bedeutung, wo es Status und künstlerischen Ehrgeiz signalisierte. Das moderne Textildesign belebte die Technik in den 1960er und 1970er Jahren wieder, und sie bleibt ein Erkennungszeichen von avantgardistischen Modehäusern und Heimtextilien. Die optische Wirkung ist unmittelbar und lässt sich nicht verbergen: ein mi-parti-Kleidungsstück wirkt bewusst geteilt, obwohl es in der Konstruktion symmetrisch ist.
Der Begriff mi-parti stammt aus der Heraldik, von party per pale, das ein Wappenschild bezeichnet, das vertikal in zwei Tinkturen geteilt ist. Die französische Herkunft verweist auf die Ursprünge der Technik in der europäischen höfischen Textilkunst. In Produktionsplänen und Spezifikationsblättern wird mi-parti bereits früh festgelegt, da es Färbelose, Webstuhlaufstellung und Veredlungsabläufe beeinflusst. Das genaue Abgleichen der Teilungslinie über mehrere Teile hinweg erfordert sorgfältige Fadenspannung und Ausrichtung.