Bullauge
Englisch: porthole
Ein rundes Fenster in der Schiffswand.
Bullauge: verstärktes rundes Fenster an der Schiffsseite
Ein Bullauge ist eine kreisförmige Öffnung in der Schiffswand, die mit einem stabilen Fensterrahmen und einer Glasscheibe ausgestattet ist. Sie ermöglicht Licht- und Luftzutritt zu inneren Räumen und erhält gleichzeitig die Wasserdichtheit des Schiffskörpers. Der Rahmen, auch Bullaugerahmen oder Bullaugering genannt, besteht meist aus Gussbronze, Aluminiumlegierung oder nichtrostendem Stahl und wird von beiden Seiten durch die Schiffswand geschraubt. Eine Gummidichtung oder Neoprengasket sorgt für die wasserdichte Abdichtung. Die Scheibe selbst ist normalerweise aus Hartglas oder Acrylglas, typischerweise 150 bis 300 mm Durchmesser, je nach Schiffsklasse und Einbauort.
Bullaugen unterscheiden sich grundlegend von gewöhnlichen Fenstern, da sie hydrostatischem Druck, Korrosion durch Salzwasserimmersion, thermischen Wechselbeanspruchungen und der Verformung des Schiffskörpers widerstehen müssen. Die kreisförmige Bauweise verteilt die Spannungen gleichmäßig um die Öffnung herum, was sie strukturell stärker macht als ein rechteckiger Ausschnitt gleicher Fläche. Moderne Bullaugen haben oft innere Klappblenden oder äußere Sicherungsmechanismen, mit denen die Besatzung sie bei schwerem Wetter oder wenn das Schiff in Gefahr ist zu kentern, verschließen kann.
Bullaugen sind in den Seitenwänden von Aufenthaltsräumen, Maschinenräumen und Laderäumen eingebaut, wo Tageslicht erwünscht ist, aber die Öffnung nicht so tief sitzt, dass sie bei rauer See überfluten könnte. Schiffe positionieren sie normalerweise deutlich über der Sommerlademarke, häufig im Aufbau oder im Deckshaus statt in der Hauptwand. Fischereischiffe, Fähren und kleinere Handelsschiffe nutzen Bullaugen großzügiger als große Containerschiffe, wo ständige Wetterbelastung sie weniger praktisch macht.
Der Begriff Bullauge stammt vom französischen Wort porte (Tür) und dem englischen Wort hole (Loch) ab und unterscheidet sich von Lüftungsöffnungen sowie von Häfen als Anlagestelle. In der Schifffahrtspraxis werden die Begriffe Bullauge und Portlicht heute synonym verwendet, wobei Portlicht in technischen Spezifikationen häufiger vorkommt. Ein undichtes Bullauge oder eines, das nicht richtig abdichtet, birgt ernsthafte Risiken: Wassereintritt kann Räume fluten, Ausrüstungen beschädigen und in schweren Fällen die Stabilität gefährden oder zu fortschreitender Wasserfüllung führen.
Bronze war traditionell das Standardmaterial, da es korrosionsbeständig ist und leicht zu bearbeiten lässt. Der Übergang zu Aluminiumlegierungen im modernen Schiffbau hat Gewicht und Wartungskosten gesenkt. Schiffe in Polarregionen oder hochkorrosiven Umgebungen verwenden manchmal Duplex-Edelstahlrahmen. Acrylscheiben, bei Arbeitsbooten dem Hartglas vorgezogen, weil sie weniger rissanfällig bei Schlag sind, müssen regelmäßig erneuert werden, da sie durch UV-Strahlung und Salzaerosol matt werden.