Vorwählgetriebe
Englisch: preselector
Ein manuelles Schaltgetriebe, bei dem der Schalthebel das nächste Gang vorwählt und ein separales Pedal diesen ohne Betätigung einer Kupplung einrückt.
Vorwählgetriebe: Gangwahl vor der Kupplung
Ein Vorwählgetriebe ist ein manuelles Schaltgetriebe, bei dem du den nächsten Gang am Schalthebel wählst, während du noch im aktuellen Gang fährst, und ihn dann durch Betätigung eines Pedals (normalerweise der Kupplung) einlegst, ohne den Hebel erneut bedienen zu müssen. Das System trennt die Wahl des gewünschten Gangs von der tatsächlichen Gangeinleitung. Die meisten Vorwählgetriebe nutzen eine Klauenkupplung oder Synchronisierung, um den gewählten Gang auf der Hauptwelle zu fixieren, sobald das Einlegepedal gedrückt wird.
Das Vorwählgetriebe erschien in den 1920er und 1930er Jahren, am bekanntesten bei Daimler und Lanchester Automobilen, wobei das Prinzip später auch bei einigen Lastkraftwagen und Industriemaschinen übernommen wurde. Das Daimler-System nutzte einen Vakuumservo-Mechanismus, um den gewählten Gang einzulegen und die Schaltung sanfter zu machen als eine reine Klauenkupplung. Da du den nächsten Gang schon während der Fahrt wählen konntest, versprach das System leichtere Bedienung im Stop-and-go-Verkehr der Stadt, was sein Hauptverkaufsargument war.
Wie es funktionierte und wo es scheiterte
Ein mechanischer Wählmechanismus im Getriebe erfasste, welche Stellung der äußere Hebel einnahm, und positionierte die Synchronisierung oder Klauenzähne des nächsten Gangs bereit zum Eingriff vor. Wenn du das Einlegepedal drücktest, würde ein Servo oder ein direkter mechanischer Antrieb den gewählten Gang einschnappen. Der Vorteil waren sanfte, kupplungslose Schaltungen (bei manchen Bauarten) und keine Notwendigkeit, die Motordrehzahl von Hand der Straßengeschwindigkeit anzupassen. Der Nachteil war erhöhte Komplexität, höhere Herstellungskosten und eine Verzögerung, wenn du Gänge überspringen oder plötzlich ein anderes Übersetzungsverhältnis brauchtest, als du vorgewählt hattest.
Vorwählgetriebe verloren nach den 1950er Jahren an Bedeutung, als vollständig synchronisierte Manualgetriebe zum Standard wurden und billiger herzustellen waren. Ein Fahrer mit modernem synchronisiertem Schaltgetriebe kann fast genauso schnell schalten, ohne den zusätzlichen Mechanismus zu brauchen. Allerdings lebt das Vorwählprinzip in einigen automatischen und halbautomatischen Getrieben weiter, wo ein hydraulisches oder elektrisches System die Vorwahl und das Einlegen ohne Fahrereingabe übernimmt.
Der Begriff spiegelt seinen Zweck wider: Du wählst den Gang im Voraus (wählst ihn vor), bevor du ihn einlegen musst. Historisch gesehen sitzt das Vorwählgetriebe zwischen dem Schaltgetriebe ohne Synchronisierung (reine Fahrerkunst erforderlich) und dem vollautomatischen Getriebe (gar keine Wahl erforderlich). Bei Industrieausrüstungen und Oldtimern ist das Verständnis von Vorwählgetrieben wichtig, weil sich das Schaltverhalten und die Wartung deutlich von modernen synchronisierten Schaltgetrieben unterscheiden.