Doppeltraktion
Englisch: push-pull
Betrieb mit Lokomotiven am Kopf und Ende eines Zuges oder mit einer Lokomotive an einem Ende und einer Fahrposition am anderen Ende, sodass der Zug von beiden Enden aus gesteuert werden kann.
Push-Pull: Zugbetrieb von beiden Enden ohne Umfahranlage
Ein Push-Pull-Zug hat eine Lokomotive oder einen Triebwagen am einen Ende und eine Fahrerkabine am anderen Ende. Dadurch kann der Zug in beide Richtungen fahren, ohne dass eine Umfahranlage oder Umkehr nötig ist. Der Triebfahrzeugführer sitzt am führenden Ende und bedient die Lokomotive oder Triebeinheit am hinteren Ende per Fernsteuerung oder durchgehender Zugbeeinflussung. Das spart Zeit und Infrastrukturkosten für das Umfahren der Lokomotive zwischen den Zugfahrten und ist daher wertvoll auf Pendler- und Regionalstrecken mit häufigen Richtungswechseln.
Die einfachste Push-Pull-Ausführung besteht aus einer Lokomotive und einem Steuerwagen: Der Triebfahrzeugführer sitzt im Steuerwagen und steuert die Lokomotive elektrisch. Aufwendigere Anordnungen nutzen zwei Loks, je eine an jedem Ende, oder einen Triebwagen zwischen Personenwagen mit Fahrkabinen vorn und hinten. Elektrische Push-Pull-Züge arbeiten meist mit Stromabnehmer und einfachen elektrischen Befehlen. Dieselvarianten müssen mit Motorabgasen und Schwingungsentkopplung am angetriebenen Ende fertig werden.
Betriebliche Grenzen und praktische Anwendung
Push-Pull-Züge sind am wirksamsten auf Stammstrecken mit Endumkehr: Vorortnetze, Pendelverkehre und Regionalkorridore, wo die Wendezeit unmittelbar den Fahrplan beeinflusst. Nordamerikanische Nahverkehrslinien wie die im North East Corridor setzen Push-Pull-Züge vielfach ein. Die Gewichtsverteilung ist wichtig, da ungleiches Laden zwischen Trieb- und Laufachsen das Fahrverhalten und die Radlasten beeinflusst. Der Steuerwagen muss Sicherheitssysteme haben, um Kollisionen zu verkraften, da ihm die Masse und Verstärkung einer echten Lokomotive fehlt.
Häufige Ausfallarten sind Verlust der Fernsteuerungssignale zur hinteren Lokomotive oder Fehler der Kabinenanlagen im Steuerwagen. Instandhaltungsteams müssen beide Enden bedienen, was Depot-Logistik erschwert. Rekuperative Bremsungen bei elektrischen Push-Pull-Zügen können Netzprobleme verursachen, wenn beide Enden gleichzeitig Energie zurückgewinnen wollen. Das System verlangt auch klare Verständigungsprotokolle: Ein Triebfahrzeugführer, der eine hintere Lokomotive steuert, kann sich nicht auf Sichtverbindung verlassen.
Der Begriff "Push-Pull" spiegelt die mechanische Wirklichkeit wider: Ein Ende drückt, während das andere zieht, je nach Fahrtrichtung. Die Bezeichnung hat sich gehalten, obwohl der Übergang zu elektrischen und modernen Steuersystemen die ursprüngliche hydraulische oder mechanische Getriebe-Unterscheidung abstrakt gemacht hat. Sie ist noch immer Standardvokabular bei europäischen und Commonwealth-Bahnen, wo solche Konfigurationen im Regional- und Vorortverkehr verbreitet sind.