lesen
Englisch: read
Ein angezeigtes Signal beobachten und verstehen.
Signalbild deuten: die Bedeutung eines Signals auf der Strecke erfassen
Ein Signal zu lesen bedeutet, sein angezeigtes Bild zu beobachten und die Anweisung zu verstehen, die es dem Lokführer oder Fahrdienstleiter vermittelt. Auf Eisenbahnstrecken sind Signale die primäre Verständigungssprache zwischen Infrastruktur und Zugbetrieb. Das Aussehen eines Signals, sei es die Stellung eines Semaphorarms, ein farbiges Licht oder eine Bezeichnungstafel, verschlüsselt eine bestimmte Erlaubnis: fahren, vorsicht fahren, halt oder eine Streckenfreigabe. Das Signal richtig zu lesen ist die Grundlage für sichere Zugbewegungen.
Verschiedene Signalsysteme stellen unterschiedliche Anforderungen an korrektes Lesen. Farblichtsignale zeigen rote, gelbe, grüne oder doppelt gelbe Bilder von oben über dem Gleis an, erkennbar in großer Entfernung bei Tag und Nacht. Semaphorsignale erfordern das Lesen der Armstellung, was freie Sichtlinien und gute Sicht voraussetzt. Lichtraumsignale nutzen Gruppen von weißen Lichtern in bestimmten Mustern. Ältere mechanische Stellwerke verwenden Streckenanzeigevorrichtungen (Flügel oder Arme), die zusammen mit dem Hauptbild gelesen werden müssen. Jedes System hat festgelegte Bedeutungen, diese unterscheiden sich jedoch je nach Eisenbahn und Land.
Geschwindigkeit und Zeitpunkt des Lesens
Ein Lokführer liest Signale aus einer Entfernung, die sich nach dem Bremsweg seines Zuges bei Streckengeschwindigkeit bestimmt. Auf Hochgeschwindigkeitsstrecken kann dies 800 Meter oder mehr sein; auf Nebenbahnen vielleicht 200 Meter. Schlechte Sicht durch Nebel, Regen, Dunkelheit oder Signalstörung kann korrektes Lesen verhindern. Ein durch Vegetation verdecktes, beschädigtes oder durch elektrischen Fehler unlesbar gewordenes Signal zwingt den Lokführer, es je nach geltenden Regeln als Vorsicht- oder Haltbild zu behandeln. Fahrdienstleiter lesen auch Gleisanzeigevorrichtungen und Hebelbrett-Anzeigevorrichtungen, um Zugpositionen zu verfolgen und zu bestätigen, dass Weichen und Signale ihre gewollte Lage eingenommen haben.
Das Verb 'lesen' erscheint häufig in Eisenbahn-Betriebsvorschriften und Signalisierungsanweisungen: 'das Signal vor dem Zug lesen', 'wegen Wetter nicht lesbar', 'die Positionsanzeigevorrichtung vor Zugzulassung lesen'. Es unterscheidet sich von 'verstehen' oder 'wissen': Lesen ist die Wahrnehmung des physikalischen Signalzustandes, das Verständnis folgt danach. Ein Lokführer muss das Signal lesen, bevor er danach handeln kann, und die Aufzeichnung, dass ein Signal gelesen wurde oder unlesbar war, ist wesentlicher Beweis in der Unfalluntersuchung.