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Drucktechnik

Recto

Englisch: recto

Die rechte Seite eines Buches oder Manuskripts, das von links nach rechts gelesen wird, üblicherweise mit ungerader Seitenzahl.

Recto: die Vorderseite, die der Leser zuerst sieht

In der Buchbinderei und Weiterverarbeitung ist das Recto die rechte Seite eines aufgeschlagenen Buches oder Manuskripts, üblicherweise mit ungeraden Zahlen nummeriert (1, 3, 5 usw.). Es ist die Seite, die dem Leser direkt zugewandt ist und bildet den visuellen Ankerpunkt jeder Doppelseite. Der Begriff stammt vom lateinischen rectus, was gerade oder rechts bedeutet, und war Standard in mittelalterlichen Schreibstuben, wo Schreiber ausschließlich auf Rectos arbeiteten und Versos leer ließen oder für Notizen nutzten.

Drucksachenbediener und Buchbinder müssen die Recto-Platzierung verstehen, denn sie bestimmt, wie Signaturen gefaltet und sortiert werden. Wenn ein 16-seitiger Bogen gedruckt wird, müssen die Recto-Seiten vor dem Falten auf einer Seite des Bogens ausgerichtet sein; jede Fehlausrichtung wird sofort sichtbar, wenn das Buch aufgeschlagen wird. Digitale Imponier-Systeme berechnen Recto-Positionen automatisch, aber bei händischem Sortieren oder Rückenstich-Bindungen ist das Erkennen der Recto-Nummer der schnellste Weg, um eine verdrehte Lage zu entdecken.

Recto bei verschiedenen Bindungsarten

Bei der Klebstoffbindung bestimmt die Recto-Paginierung die gesamte Schachtelungsfolge; Signaturen müssen die Sortieranlage in aufsteigender Reihenfolge ihrer öffnenden Recto-Seiten erreichen. Bei Kaschen- und Festeinbänden ist das erste innen am Vorderdeckel eingeklebte Blatt immer ein Verso (ein Blankoseite oder Vorsatz-Recto), und der eigentliche Buchblock beginnt mit Seite 1 als Recto. Broschüren mit Rückenstich funktionieren genauso: Die äußerste Lage umhüllt die inneren Lagen, mit dem Umschlag-Recto nach außen und fortlaufend nummerierten Seiten nach innen.

Gestalter und Redakteure nutzen die Recto-Platzierung für bewusste Effekte. Doppelseiten-Designs, ganzseitige Illustrationen, Kapitelanfänge und Werbeplatzierungen sind üblicherweise dem Recto vorbehalten, weil diese Seite beim flüchtigen Blättern ins Auge fällt. Verso-Seiten tragen oft Fortlauftext, Fußnoten oder Bildmaterial, das eher unterstützt als anführt. Das Verständnis dieser Konvention hilft dem Prepress-Bereich, unbefriedigende Layouts zu vermeiden, bei denen ein Recto durch Fehleinlegung oder Seitenzahlrechnung auf einer Verso-Position landet.

Das Recto-Verso-System funktioniert nicht bei Sprachen, die von rechts nach links gelesen werden (Arabisch, Hebräisch, Persisch); diese Sprachen drehen die Konvention um, wodurch die linke Seite zum Recto wird. Digitale Workflows und Variable Printing haben einige traditionelle Recto-Regeln verwischt, besonders bei Einzelblatt- oder Rolleninkjet-Produktion, wo Seiten nicht mehr an Signaturfalten gebunden sind. Der Begriff bleibt aber unverzichtbar in jeder Diskussion über traditionelle Bindungsstruktur, Sortierreihenfolge und Seitengestaltung in der Druckfertigung.

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