Merkblatt
Englisch: release
Im Blocksystem ein gedrucktes Merkblatt mit Informationen und Anweisungen für Zwischenhaltestellen ohne Telegrafenstation.
Freigabe: Begleitzettel zur Zulassung der Zugfahrt zwischen Blockstrecken
Eine Freigabe ist ein Begleitzettel zur Zulassung der Zugfahrt, der im Blockstrecken-System der Eisenbahn verwendet wird. Er berechtigt einen Zug, in die nächste Blockstrecke einzufahren, wenn an einem Zwischenbahnhof keine Telegraphie- oder Signalanlage vorhanden ist. Die Freigabe funktioniert als manuelle Alternative zu den elektrischen oder mechanischen Blocksicherungen, die Hauptstrecken schützen. Sie ermöglicht sichere Zugfolge durch dokumentierte Übergabe statt durch automatische Verfahren.
Der Freigabezettel selbst ist ein standardisiertes Druckformular, das von der Zugmannschaft, üblicherweise dem Lokführer oder Zugführer, mitgeführt wird. Er enthält spezifische Angaben zur Blockstrecke voraus: die Blocknummer oder Bezeichnung, das Ausstellungsdatum und die Ausstellungszeit, den Namen des Zwischenbahnhofs oder der Station, wo er ausgegeben wurde, sowie klare Anweisungen zu Geschwindigkeitsbeschränkungen oder bedingten Fahrten. Der Zettel dient als Nachweis dafür, dass der Zug freigegeben wurde, in diese bestimmte Blockstrecke einzufahren und dass zum Zeitpunkt der Ausstellung kein anderer Zug diese besetzt.
Anwendung an telegraphielosen Zwischenbahnhöfen
Zwischenbahnhöfe ohne Telegraphieanlage arbeiten auf Grundlage einer Freigabeverfügung, da ihnen die Kommunikationseinrichtung fehlt, um Zugbewegungen voraus zu melden. Ein Signalbeamter oder Personal an einem besetzten Ort übergibt die Freigabe an einen anfahrenden Zug oder ein vorangegangener Zug überreicht sie dem nächsten Personal. Dies schafft eine klare Verantwortungskette: jedes Crewmitglied trägt persönlich Verantwortung für den Zettel und die darin enthaltenen Informationen. Das System beruht vollständig auf menschlicher Kommunikation und korrektem Führen von Aufzeichnungen darüber, welcher Zug zu welchem Zeitpunkt eine Freigabe besitzt.
Freigaben bergen erhebliche Betriebsrisiken, wenn Züge dicht hintereinander in der gleichen Blockstrecke fahren. Ist eine Freigabe fehlerhaft ausgestellt, zurückgehalten oder missverstanden, können zwei Züge rechtlich in den gleichen Bereich einfahren. Die meisten Freigabe-Systeme enthielten daher schriftliche Vorschriften, die Mindestabstände oder physische Überprüfung, ob der vorherige Zug die Strecke geräumt hat, vor der Ausgabe der nächsten Freigabe vorsahen. Das Verfahren verschwand schrittweise, als durchgehende Gleisstromkreise und automatische Signaltechnik die manuelle Blocksicherung auf frequentierten Strecken ersetzten.
Der Ausdruck spiegelt seine Hauptfunktion wider: Es ist der Zettel, der einen Zug vom Haltepunkt eines Zwischenbahnhofs freigibt und ihm Fahrrecht in die geschützte Strecke voraus erteilt. Freigabezettel werden weiterhin auf Museumsbahnen, Industriebahnstrecken und einigen Heritage- oder Leichtbahnen verwendet, wo die volle Signalausrüstung wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen ist.