Rückwärtseinschnitt
Englisch: resection
Ein Verfahren zur Positionsbestimmung mit Hilfe einer Karte und Kompasspeilungen von zwei weiteren Punkten.
Rückwärtseinschnitt: Orientierung durch Anvisieren bekannter Punkte
Der Rückwärtseinschnitt ist ein Vermessungsverfahren zur Bestimmung der eigenen Position im Gelände, wenn man eine Karte hat und mindestens zwei (vorzugsweise drei oder mehr) entfernte Punkte sehen kann, deren Kartenpositionen bereits bekannt sind. Man nimmt Kompassvisuren oder Winkel zu diesen sichtbaren Objekten auf, trägt diese Sichtlinien dann auf der Karte ein; ihr Schnittpunkt ist die eigene Position. Es ist das Gegenteil des Vorwärtseinschnitts, bei dem man seine Position kennt und nach außen zu unbekannten Punkten misst.
Das Verfahren funktioniert, weil Peillinien von verschiedenen Beobachtungspunkten sich nur an einer Stelle treffen. Mit zwei bekannten Punkten entstehen zwei Sichtlinien, die sich an einem eindeutigen Ort schneiden; ein dritter Punkt bestätigt das Ergebnis und deckt Fehler auf. Die bekannten Punkte sind typischerweise Landschaftsobjekte wie Kirchspitzen, Berggipfel, Wassertürme oder markierte Vermessungspunkte, die von der eigenen Position aus sichtbar sind. Auf der Karte zeichnet man von jedem bekannten Punkt aus eine Linie unter der Gegenkompassrichtung (der Richtung, die man sehen würde, wenn man dort stehen und zurück zu einem schauen würde), und diese Linien treffen sich dort, wo man steht.
In der Praxis ist der Rückwärtseinschnitt schneller und benötigt weniger Ausrüstung als andere Methoden zur Positionsbestimmung in unbekanntem Gelände. Ein Kompass und eine aussagekräftige Karte genügen. Die Genauigkeit hängt vom Winkel zwischen den Sichtlinien ab: Winkel nahe bei 90 Grad ergeben enge Schnitte, während flache Winkel große Unsicherheitszonen erzeugen. Der Rückwärtseinschnitt wird unzuverlässig, wenn alle sichtbaren bekannten Punkte in einem engen Bogen um die eigene Position liegen, weil kleine Peilungsfehler dann zu großen Positionsfehlern führen.
Wann und warum der Rückwärtseinschnitt wichtig ist
Feldarbeiter nutzen den Rückwärtseinschnitt, um sich nach Desorientierung wiederzufinden, um eine berechnete Position zu überprüfen oder um einen Kontrollpunkt festzulegen, ohne Vermessungsinstrumente zum Gelände zu bringen. Das Verfahren ist üblich in der Wildnisnavigation, beim militärischen Kartieren und bei ersten Geländeaufnahmen. Es hilft auch, wenn man die genaue Position aus Sicherheitsgründen kennen muss, etwa um Rettungsdienste zu alarmieren oder um Grundstücksgrenzen in rauem Gelände zu überprüfen, wo direkte Messung impraktikabel ist.
Der Begriff stammt aus der Geometrie: Man schneidet die Karte durch neue Linien, die bekannte Positionen durchlaufen. Historische Vermesser führten den Rückwärtseinschnitt mit einem dreiarmigen Winkelmesser durch, dem sogenannten Trisector, der die Winkel mechanisch löste. Moderne Praxis nutzt einen Kompass, ein Lineal und die Karte selbst. Das Verfahren ist seit Jahrhunderten Standard in der Landvermessung und der militärischen Aufklärung.