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Textiltechnik

rev st st

Abkürzung für reverse stocking stitch; umgekehrte Strickweise

Inverse Strickschrift: die Strickseite nach außen statt nach innen

Inverse Strickschrift, häufig mit inv. Str. abgekürzt, ist eine Strickflächenstruktur, die durch Arbeiten von Strickschrift (abwechselnde Reihen Rechts und Links auf flachen Nadeln oder abwechselnde Runden Rechts und Links auf Rundstricknadeln) entsteht und dann die linke Seite als fertige Vorderseite zeigt. Bei Handstricken bedeutet das, dass die Linksmaschen nach außen zeigen; bei Maschinenarbeit hängt das Ergebnis von der Maschinenkonstruktion und Nadelauswahl ab.

Das Aussehen von inverser Strickschrift ist deutlich strukturiert: kleine horizontale Noppen erzeugen eine raue Oberfläche, die das Licht anders bricht als gewöhnliche Strickschrift. Das macht sie wertvoll für Kleidungsstücke, bei denen visuelle Struktur wichtiger ist als glatte Fallabilität, besonders bei Pullovern, Decken und strukturierten Teilen. Der Stoff liegt relativ flach und hat ähnliche Elastizität wie Strickschrift, aber die raue Oberfläche kann während des Tragens und Waschens leichter Schaden nehmen.

In der Maschinenfertigung wird inverse Strickschrift typischerweise mit Florflansch-Systemen hergestellt oder durch mechanische Nadelauswahl erzeugt, um Linksseite-außen-Strukturen zu schaffen, statt ein fertiges Stück physisch umzudrehen. Handstrickerinnen stricken das Tuch einfach von links oder nähen und wenden ein Kleidungsstück, um die Linksseite freizulegen. Garngewicht und Faserauswahl beeinflussen die Sichtbarkeit stark: Dicke Wolle zeigt deutliche Struktur, während feines Merinoschaf eine subtile Oberfläche erzeugt.

Der Begriff dreht die übliche Stricklogik um, bei der Strickschrift für ihr ordentliches Aussehen auf der Vorderseite geschätzt wird. Das Arbeiten mit inverser Strickschrift verzichtet bewusst auf Glätte zugunsten von Struktur. Da Linksmaschen leicht erhöht sitzen im Vergleich zu Rechtsmaschen, nutzt sich die Oberfläche schneller in Bereichen mit hoher Reibung ab und kann Pilling oder Zusammendrückung rascher zeigen als Strickschrift, besonders bei Acrylmischungen. Das begrenzt die Verwendung in Kleidungsstücken, die Dauerhaftigkeit erfordern.

Inverse Strickschrift steht neben anderen bewusst strukturierten Mustern wie Perlmuster, Kabel und Moos als Grundlage designorientierter Arbeit statt rein funktionalem Stricken. Sie bleibt beliebt in zeitgenössischen Handstrickmustern und gelegentlich in Designerknitwear, wo die raue Oberfläche eine bewusste Designwahl ist statt ein Herstellungskompromiss.

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